Luftgekühlt 12 in Atlanta: Le-Mans-Sieger, Gulf-917 und ein Kellerfund
Das kultige Porsche-Event Luftgekühlt gastierte letztes Wochenende in Atlanta. Trotz Hurrikanwarnung kamen dieses Jahr wieder 8.000 Besucher, um 300 luftgekühlte Porsche zu sehen, darunter einen Le-Mans-Sieger und einen Kellerfund aus North Carolina. Wir zeigen die schönsten Bilder von Luft 12.
2014 trafen sich ein paar Enthusiasten auf einem Parkplatz in Los Angeles. Heute lockt Luftgekühlt mit jeder Ausgabe Tausende Besucher an, und Porsche-Fans aus aller Welt reisen dafür an.
Eine klassische Autoausstellung will Luftgekühlt dabei gar nicht sein. Die Veranstaltung wechselt regelmäßig den Ort und sucht sich dafür gern kulturell geprägte Schauplätze. Auch Fahrzeuge, Themen und Geschichten wechseln von Ausgabe zu Ausgabe. So erzählt jedes Treffen die Historie der luftgekühlten Porsche ein wenig anders.
Luftgekühlt 12 in der US-Heimat von Porsche
Für die zwölfte Ausgabe wählten die Macher die Town at Trilith südlich von Atlanta im Bundesstaat Georgia. In Atlanta hat Porsche Cars North America seit 1998 seinen Sitz.
Das Wetter machte es den Veranstaltern nicht leicht. Hurrikanwarnungen zwangen sie, den Start um mehrere Stunden zu verschieben. Rund 8.000 Besucher ließen sich davon nicht abschrecken. Am Ende blieb es weitgehend trocken, und auf dem Gelände warteten 300 Fahrzeuge auf sie.
Einen Platz in dieser Auswahl muss man sich verdienen. Wer seinen Porsche zeigen möchte, reicht Bilder und Informationen zur Historie des Autos ein. Das Team prüft jede Bewerbung und sucht gezielt nach Fahrzeugen, die selbst Kenner überraschen.
„Jede Veranstaltung ist die Weiterentwicklung der vorherigen“, sagt Kreativdirektor Jeff Zwart, dessen Laufbahn Film, Werbung und Motorsport verbindet. „Wir möchten immer neue Geschichten entdecken und erzählen.“
911 S auf dem Luft 12: „Jede Veranstaltung ist die Weiterentwicklung der vorherigen.“
Porsche 935 K3: der Le-Mans-Sieger von 1979
Den Mittelpunkt bildete in diesem Jahr der Porsche 935. Vor 50 Jahren debütierte der wohl bedeutendste luftgekühlte Rennwagen der Marke, und Luftgekühlt widmete ihm eine eigene Bühne.
Dafür gelang dem Team ein echter Coup: Es holte den 935 K3 nach Atlanta, mit dem Klaus Ludwig und die Brüder Don und Bill Whittington 1979 die 24 Stunden von Le Mans gewannen. Mit diesem Sieg schrieb der K3 Geschichte, denn erstmals gewann ein Rennwagen mit Heckmotor den Langstreckenklassiker in der Gesamtwertung.
Mit der Region verbindet das Auto zudem eine besondere Geschichte. In jener Zeit übernahmen die Whittingtons auch die Rennstrecke Road Atlanta. Entsprechend zog der K3 das Publikum an wie kaum ein anderes Exponat.
Hier sind wir den Nachfolger Kremer 997 K3R mit Straßenzulassung auf dem Nürburgring gefahren.
Porsche 935 und 935 K3 auf dem Luftgekühlt 12 in Atlanta.
Targa Florio: vor 70 Jahren begann die Siegesserie
Ein weiterer Schwerpunkt führte nach Sizilien. Die Targa Florio fand zwischen 1906 und 1977 statt und galt als eines der härtesten und prestigeträchtigsten Rennen ihrer Zeit. Vor 70 Jahren feierte Porsche dort seinen ersten Gesamtsieg.
1956 steuerte der Italiener Umberto Maglioli einen luftgekühlten Porsche 550 A Spyder mit Mittelmotor im Alleingang zum Sieg. Damit begann eine beispiellose Serie: Mit elf Gesamtsiegen führt Porsche bis heute die Bestenliste des Straßenrennens an.
Das Rennen prägte auch die Serienmodelle. Der 1965 vorgestellte 911 Targa verdankt ihm seinen Namen. Er verband die Offenheit eines Cabriolets mit einem fest integrierten Überrollbügel und traf damit den Nerv des US-Markts, wo die Debatte um die Sicherheit offener Autos an Fahrt gewann.
Drei Exponate holten diese Geschichte nach Atlanta. Ein Porsche 718 RSK von 1959 erzählte von einem Sieg, der zum Greifen nah lag: Er fuhr die schnellste Runde und führte das Rennen lange an, doch in der Schlussrunde stoppte ihn ein Defekt an der Radaufhängung. Das Glück für Porsche: ein anderer 718 RSK gewann.
Daneben standen der Porsche 718 RS 60, der ein Jahr später gewann, und der Porsche 904 Carrera GTS, der Sieger von 1964.
Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.
Targa-Floria-Gewinner: Porsche 904 Carrera GTS, 718 RSK, 718 RS 60 Spyder.
Porsche 917 K und 356 Outlaw: Große Bandbreite
Zwart weiß, was das Publikum anzieht. „Luft ist visuell faszinierend und die Fahrzeuge erzählen spannende Geschichten“, sagt er. „Zugleich begeistert die Veranstaltung Menschen, die sich für die technische Seite der Modelle interessieren.“
Zu den Stars gehörte ein Porsche 917 K in den berühmten Gulf-Farben. Mit genau diesem Wagen fuhr Brian Redman beim Vortest zu den 24 Stunden von Le Mans 1970 die Bestzeit. Danach übernahm ihn Formel-1-Pilot Jo Siffert und vermietete ihn für Steve McQueens Film „Le Mans“. Nach Jahren im Verborgenen gelangte der 917 K in die Brumos Collection. In Atlanta zog er nun wieder alle Blicke auf sich.
Sau, Hippie, Jägermeister: Hier haben wir die schönsten Porsche-Renndesigns zusammengestellt.
Star aus Steve McQueens „Le Mans“: Porsche 917 K in Gulf-Lackierung.
Am anderen Ende der Skala stand ein Porsche 356 A Outlaw von 1957. Sein früherer Besitzer entdeckte den stark verrosteten 356 unter Trümmern im Keller eines Gemischtwarenladens in North Carolina. Weil sich die untere Karosseriestruktur kaum retten ließ, setzte er das Dach auf eine besser erhaltene Karosserie. Nach Jahren gesundheitlicher Probleme verkaufte er das unvollendete Projekt 2004.
Zwei Jahrzehnte später tauchte der 356 wieder auf dem Markt auf, keine vier Kilometer von seinem früheren Besitzer entfernt. Selbst die Beschriftungen auf den Ersatzteilkisten stammten noch von ihm. Restauriert, aber mit bewusst erhaltener Patina, erzählt der Outlaw diese Geschichte nun weiter.
Patina: Porsche 356 A Outlaw.
Luftgekühlt lebt von seiner Community
Mindestens so viel wie die Autos zählen bei Luftgekühlt die Menschen. Enthusiasten, Familien und Freundeskreise reisen jedes Jahr aus allen Teilen der USA an. Manche kommen allein, andere bilden Konvois über mehrere Bundesstaaten hinweg. Einige dieser Ausfahrten organisiert die Veranstaltung selbst, viele stellt die Community auf die Beine.
Durch das Programm führte Tommy Kendall. Der US-Amerikaner hält bis heute den Rekord als jüngster IMSA-Champion der Seriengeschichte, holte vier Titel in der Trans-Am-Serie und startete zweimal bei den 24 Stunden von Le Mans.
Auch Leh Keen schaute vorbei. Der ehemalige Rennfahrer zeigte mehrere Autos seines Keen Project, für das er klassische Porsche 911 nach eigenen Vorstellungen neu interpretiert. Seine Ideen holt er sich auf den Landstraßen seiner Heimat Georgia, aus seiner Rennfahrerkarriere und bei den Rallye-Versionen des 911 SC aus den 1970er- und 1980er-Jahren.
Genau diese Nähe macht für Zwart den Reiz von Luftgekühlt aus. Absperrungen zwischen Publikum und Autos sucht man vergeblich. Wer über das Gelände streift, entdeckt die Fahrzeuge in Gebäuden und Höfen, an Straßen und auf Plätzen und stößt hinter jeder Ecke auf die nächste Geschichte.
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