Porsche-Supersportwagen: Studie Mission S enthüllt
Der nächste Supersportwagen von Porsche wird ein Verbrenner und sein Design nimmt die Tradition der Marke von 1953 bis heute auf. Auch im Innenraum wird es wieder analog mit haptischen Schaltern, fünf Rundinstrumenten und einem Schlüssel links des Lenkrads. Die Studie Mission S wird Porsche-Fans gefallen.
Auch wenn Porsche noch keine genaueren Informationen über den Motor preisgibt: Die vier Abgasendrohre, der Tankdeckel in der Fronthaube und der Drezahlmesser mit rotem Bereich bei 8.000 Umdrehungen zeigen: Das offiziell „Mittelmotor-Supersportwagen“ genannte zukünftige Modell bekommt einen Verbrenner, wahrscheinlich ergänzt um elektrische Motoren, also ein Performance-Hybrid.
Auch ansonsten knüpft der gelungene Designentwurf an die Traditionen der Marke an und konzentriert sich auf den Fahrer und das Fahrerlebnis.
Porsche Mission S: Weltpremiere am Pier des 550 Spyder
Für die Enthüllung wählte Porsche einen Ort mit Geschichte. Am 15. Oktober zog das Unternehmen auf einem Pier in Queens, New York, das Tuch vom Mission S, mit der Skyline von Manhattan im Rücken. An genau diesem Pier entstanden 1953 die ersten Bilder des 550 Spyder mit Mittelmotor, die damals um die Welt gingen.
Porsche bezeichnet den 550 Spyder als ersten Supersportwagen der Marke. Er legte zugleich einen wichtigen Grundstein für den Erfolg von Porsche in den USA. Mit der Wahl des Ortes schlägt Porsche bewusst den Bogen von der eigenen Historie in die Zukunft.
Vor 73 Jahren: Porsche 550 Spyder am Pier in Queens.
Ein unlimitierter Supersportwagen oberhalb des 911
Der Mission S eröffnet die strategische Neuausrichtung „Sportwagenschmiede ’35“. Er gibt einen ersten Ausblick auf die weiterentwickelte Designidentität der Marke. „Ein Porsche muss auf den ersten Blick als Porsche erkennbar sein“, sagt Vorstandschef Michael Leiters. „Mit dem Mission S geben wir einen Ausblick auf die Ideen und die gestalterischen Merkmale, die Porsche in den kommenden Jahren prägen werden.“
Noch spannender für Porsche-Fans klingt der zweite Teil seiner Ankündigung. Der Mission S steht für eine neue Mittelmotor-Supersportwagenplattform oberhalb des 911. Leiters betont: „nicht als einmaliges Hypercar, sondern als dauerhaftes und in seinen Ausprägungen vielfältiges, zusätzliches Angebot für unsere Kunden“. Damit plant Porsche erstmals eine Supersportwagen-Baureihe ohne Limitierung, die dauerhaft im Programm bleibt.
Drei Begriffe geben dabei die Richtung vor: authentisch, konsequent und zeitlos. „Der Mission S ist das Resultat einer zukunftsweisenden, gesamthaft gedachten Designstrategie“, erklärt Porsche-Designchef Tobias Sühlmann. „Das Visionsmodell zeigt eine grundsätzliche strategische Ausrichtung, die wir zeitnah in unser zukünftiges Produktportfolio übersetzen werden.“
Porsche Mission S: Sofort als Porsche zu erkennen.
Exterieur des Mission S: Reise durch die Porsche-Geschichte
Wer den Mission S von außen betrachtet, entdeckt Zitat um Zitat. Torpedo-Kotflügel, die ikonische Dachlinie und das dramatische Verhältnis von Breite zu Höhe prägen die Silhouette. Die Designer sprechen von „floating volumes“: Flächen und Volumen scheinen zu schweben und formen eine kraftvolle, technisch anmutende Skulptur.
Runde Scheinwerfer und die markanten Kotflügel erinnern an den 911. Die Kotflügel greifen das klassische Torpedo-Design auf und prägen auch die Fahrzeugflanke.
Eine umlaufende Hauptlinie verbindet die Lichtsignaturen an Front und Heck. Oberhalb davon betonen die Flächen Muskeln und Dynamik. Darunter legen die Designer technische Funktionen offen und unterstreichen so den Leichtbaugedanken.
Auch die Supersportwagen der Vergangenheit hinterlassen Spuren. Die flache Front die Lufthutze am Dach und die Form der Spiegel zitieren den 911 GT1. Die Dachlinie unter dem Heckflügel erinnert an den 959, beim Mission S zieht sie sich allerdings bis ins Heckteil durch. Vom GT1 übernahmen die Designer außerdem das Car-in-Car-Konzept am Heck.
Hier haben wir die ikonischsten Porsche-Modelle aller Zeiten zusammengestellt.
Die Front des Mission S erinnert mit den runden Scheinwerfern an 911, die Zuspitzung nach innen an den Carrera GT, die Dachhutze an den GT1.
Mittelmotor, 917-Lüfter und 928-Felgen
Die Proportionen des Showcars folgen der Mittelmotor-Architektur. Der Motor sitzt zentral im Fahrzeug und ermöglicht so die typische Flyline.
Technische Details verbinden Funktion und Form. Das sichtbare Lüfterrad spielt auf den Porsche 917 an, und den aktiven Heckflügel integrierten die Designer vollständig in die Karosserie.
Ein besonderes Highlight bilden die Felgen. Sie greifen das ikonische „Wählscheiben-Design“ des 928 auf und interpretieren es konsequent als Leichtbauentwurf neu.
Porsche Mission S Supersportwagen von oben: Sichtbares Lüfterrad wie im 917
Der Innenraum: tief im Auto wie im 550 Spyder
Im Cockpit besinnt sich Porsche auf die Kernwerte des Sportwagenbaus. Als Vorbilder dienten der 550 Spyder und der 356. Zwei prägende Linien ziehen sich durch Armaturentafel und Türen. Sie vermitteln das typische Gefühl, tief im Fahrzeug zu sitzen, und verbinden den Innenraum optisch mit dem Exterieur.
Klassische Schalter und Tasten treffen auf moderne Anzeigen. So wirkt der Innenraum vertraut und modern zugleich. Auch die Sitze folgen diesem Ansatz: Den Verschluss der Fünfpunktgurte integrierte Porsche in den Sitz.
Geschaltet wird über große Paddels hinter dem Lenkrad, der Automatikwahlhebel erinnert mit seinem Schichtholzknauf an Carrera GT und 917. Er ist hier in modernem Schwarz gehalten.
Bei den Farben knüpft das Showcar an erfolgreiche Porsche-Rennwagen an. Außen tragen Weiß-, Grau- und Rottöne die Motorsport-Tradition in die Zukunft. Porsche entwickelte dafür eigens die Töne Firnweißmetallic, Lichtrotmetallic und Black Chrome, im Interieur kommt Special Black hinzu.
Porsche Mission S Innenraum: Aufgeräumt, analog, sportlich.
Fünf Rundinstrumente und Schlüssel links vom Lenkrad
Im Zentrum der sogenannten Driver Experience steht der Fahrer, und zwar wörtlich. Porsche richtet alle Bedienelemente konsequent auf ihn aus und setzt auf Reduktion statt auf zusätzliche Displays. Haptische und digitale Rückmeldungen sorgen für ein besonders direktes Fahrgefühl.
Hinter dem Lenkrad sitzen fünf Rundinstrumente. In der Mitte thront der Drehzahlmesser mit analoger Nadel und einem dahinterliegenden Display. Je nach Fahrmodus rückt er näher an den Fahrer heran. Auch die übrigen Tuben reagieren auf den gewählten Modus und positionieren sich nebeneinander oder hintereinander.
Der rote Knopf „On your own“ am Lenkrad schaltet alle Assistenzsysteme aus, und damit ist man auf sich allein gestellt.
Der eigens gestaltete Schlüssel findet seinen Platz traditionsgemäß links vom Lenkrad. Neue Bedienelemente im Dashboard mit Push-Pull-Funktion geben direkten Zugriff auf Komfort- und Fahrfunktionen. Auch das Sport-Chrono-Element interpretiert Porsche neu und verbindet analoge Emotion mit digitaler Präzision.
Purismus im Porsche Mission S: Analoger Drehzahlmesser und Handy als einziger Bildschirm.
Keine großen Bildschirme
Der Mission S verzichtet auf ein fest eingebautes Zentraldisplay sucht man im , ebenso einen Bildschirm für den Beifahrer. Stattdessen fährt bei Bedarf eine Smartphone-Halterung aus, die mit der MagSafe-Technik zusammenarbeitet. Auf Wunsch dient das eigene Handy dann als Navigations- oder Infodisplay.
Alle Funktionen steuert eine reduzierte MyPorsche-App. Über sie wählt der Fahrer außerdem digitale Stile für die Rundinstrumente, die sich an historischen Vorbildern orientieren.
Porsche Mission S: Heck mit Inspiration von 959 und GT1.
Die Vorgänger des Mission S
Supersportwagen baute Porsche bisher stets als limitierte Ausnahmeerscheinungen. Jeder setzte zu seiner Zeit technische Maßstäbe.
Porsche 959: Als Studie „Gruppe B“ debütierte er 1983 auf der IAA, die Serienversion folgte 1985. Zwischen 1987 und 1988 entstanden laut Porsche 292 Exemplare. Ein 2,85-Liter-Boxer mit sechs Zylindern und Biturbo leistete 450 PS und trieb alle vier Räder elektronisch geregelt an. 1986 gewannen René Metge und Dominique Lemoyne im 959 die Rallye Paris-Dakar, ein zweiter 959 kam direkt dahinter ins Ziel.
Porsche 911 GT1: 1996 gab er sein Renndebüt. Anders als im klassischen 911 saß sein wassergekühlter 6-Zylinder-Biturbo-Boxer vor der Hinterachse. Für die Homologation baute Porsche eine kleine Zahl straßenzugelassener Exemplare. Die überarbeitete Version von 1998 fuhr auf einem Kohlefaserchassis und gewann im selben Jahr die 24 Stunden von Le Mans.
Porsche Carrera GT: Auf dem Genfer Salon 2003 feierte er Premiere. Bis Mai 2006 fertigte Porsche in Leipzig 1.270 Kundenfahrzeuge von Hand. Ein 5,7-Liter-V10-Saugmotor mit 612 PS sorgte für Vortrieb, als bisher einziger straßenzugelassener V10 von Porsche. Dazu kam eine Keramik-Doppelscheiben-Trockenkupplung.
Porsche 918 Spyder: Als Konzept debütierte er 2010 in Genf, die Serienversion zeigte Porsche 2013 auf der IAA. Bis Juni 2015 lief die auf 918 Exemplare limitierte Produktion. Ein 4,6-Liter-V8 und zwei Elektromotoren kamen zusammen auf 887 PS Systemleistung. Im September 2013 umrundete Marc Lieb mit einem 918 die Nordschleife in 6:57 Minuten. Damit knackte erstmals ein straßenzugelassenes Auto die Sieben-Minuten-Marke.
Hier sind wir den 918 Spyder gefahren.
Mit dem Mission S bricht Porsche nun mit dieser Tradition der auf Zeit und limitiert gebauten Supersportwagen. Die neue Plattform soll dauerhaft bleiben und in verschiedenen Ausprägungen Kunden oberhalb des 911 ansprechen.
Meinung: Zurück zum Ursprung
Wow, Porsche traut sich was! Der Mission S ist eine puristische Fahrmaschine: Renngurte, ein fahrerzentriertes Cockpit mit analogem Drehzahlmesser, kein fest eingebauter Zentralbildschirm und der rote Knopf „On your own“, der wohl alle Helfer abschaltet. Ein schönes Gimmick: Je nach Fahrmodus fährt der Drehzahlmesser an den Fahrer heran, und die anderen Anzeigen sortieren sich dahinter ein.
Kein Touchen und Swipen, sondern physische Knöpfe mit haptischem Feedback, und sogar der Schlüssel zum Starten ist zurück. Das zeigt: Der Fahrer und das Fahrerlebnis stehen wieder im Mittelpunkt. Damit will Porsche punkten und nicht mit Infotainment und Riesenscreens. Damit reagiert Porsche offenbar auch auf Kundenkritik und -wünsche.
Auch das Design gefällt mir gut: sofort als Porsche erkennbar, schöne Referenzen an die Supersportwagen-Vorgänger und den 911, zeitlos und doch mit dem Heck, der Lufthutze und dem sichtbaren Lüfter spektakulär.
Im Interview mit Bloomberg verriet Leiters noch etwas über Motor und Getriebe: Sowohl Hybrid als auch ein reiner Verbrenner seien möglich, man richte sich nach den Kundenwünschen. Sogar ein Handschalter wäre mit der Plattform möglich.
Auch wenn wir über Zylinderzahl, Gewicht und Fahrleistungen noch nichts erfahren, geht diese Studie genau in die richtige Richtung, zurück zu Porsches Kerntugenden: fahrerorientiert, puristisch, sportlich, alltagstauglich und mit zeitlosem, dynamischem Design.
Porsche scheint wieder auf die Kunden zu hören und setzt das Konzept im Mission S mutig und mit viel Ingenieurskunst um. Die Studie macht Lust darauf, den nächsten Supersportwagen zu fahren, und damit hat sie schon jetzt viel erreicht.
Porsche Mission S: Der Supersportwagen kehrt zu alten Tugenden zurück.
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Wir waren mit dem neuen 911 Turbo S Cabrio (Generation 992.2) in den Schweizer Alpen unterwegs. Sind 711 PS übertrieben für Furka- und Klausenpass? Und wie gut ist der T-Hybrid im schnellsten Elfer?