FAT Ice Race 2026: Feuer und Eis in Zell am See
Beim FAT Ice Race rasen Porsche-Klassiker, Rallye-Legenden und Buggys auf Spikebereifung über das Eis. Veranstalter Ferdi Porsche, Urenkel des Firmengründers, hat das historische Eisrennen 2019 wiederbelebt.
Von den schneebedeckten Alpen hallen Fehlzündungen wider. Schnee spritzt bis in die Zuschauerreihen. Ein orangefarbener Porsche 356 mit roten Felgen driftet vorbei, dahinter ein Skifahrer mit wehendem rotem Cape. Das Publikum jubelt, fette Beats wummern aus dem Boxenturm. Der nächste Starter: ein VW Käfer „Baja Bug“ mit Skifahrer im bunten 80er-Jahre-Skioverall.
FAT Ice Race 2026: VW Käfer „Baja Bug“ beim Skijöring.
Ja, beim FAT Ice Race kann man gewinnen. Doch hier geht es um mehr: Party, Show, Benzingespräche und das Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein. Obwohl mehrere Tausend Besucher kommen, kennt gefühlt jeder jeden. Teilnehmer, Prominente und Organisatoren stehen gemeinsam an den Feuertonnen, bestaunen die ausgestellten Fahrzeuge oder wärmen sich bei Kaffee und Street Food auf.
Die Geschichte des Ice Race in Zell am See
Das Eisrennen hat Tradition: 1952 fand das „Professor Porsche Gedächtniseisrennen" erstmals in Zell am See statt, zu Ehren des ein Jahr zuvor verstorbenen Firmengründers Ferdinand Porsche, der hier auf dem Schüttgut seinen Familiensitz hatte. Skijöring, Motorräder und verschiedenste Automobile gingen damals an den Start.
1974 endete die Tradition abrupt: Ein Unimog-Schneeflug brach beim Präparieren der Strecke ins Eis ein, der Fahrer ertrank. Das Rennen wurde eingestellt.
45 Jahre später erweckte Ferdi Porsche das Event zu neuem Leben. Der studierte Architekt ist Urenkel von Ferdinand Porsche, Enkel von Ferry Porsche und Sohn von Wolfgang Porsche, dem langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden.
Organisator Ferdi Porsche (Mitte) freut sich über den großen Zuspruch zum FAT Ice Race.
Fun over Speed: Das Konzept des FAT Ice Race
„Unser Motto ist: Fun over Speed“, erklärt Ferdi Porsche. „Rund 8.500 Leute sind hier. Gut gelaunte Menschen mit positiver Einstellung, die Spaß haben und eine tolle Party erleben möchten, sich aber gleichzeitig für Motorsporthistorie interessieren. So halten wir den historischen Motorsport für die junge Generation relevant.“
Das beste Porsche-Event in Deutschland: das Petro-Surf Festival auf Sylt.
Fun over Speed: Floyd-Koffer-Gründer Bernd Georgi im Meyers Manx und Get-Your-Classic-Chef Michael Gross im Baja Bug.
Das Fahrerfeld spiegelt diese Philosophie wider: Audi Sport quattro S1, Lancia Delta Integrale und Mitsubishi Lancer Evo neben Buggys und sogar Hovercrafts. Bei Porsche reicht die Bandbreite vom 356 Outlaw über 914, 944, 911 Carrera RS 2.7 und Rallye-Elfer verschiedener Generationen bis zum Carrera GT, 918 Spyder und dem neuen Cayenne Electric.
Mein persönliches Highlight: ein 964-Buggy der Sportfahrschule, dessen Karosserie komplett durch einen Rohrrahmen ersetzt wurde. Jörg Bergmeister und Timo Bernhard pilotierten ihn mit beeindruckenden Driftwinkeln übers Eis.
Das Zieltor bildete wieder eine überdimensionale Chronographenskala von Porsche Design, dem offiziellen Zeitnehmer des FAT Ice Race.
Spektakuläre Unfälle und Showeinlagen
Nicht alles lief glatt: Der 944 Dakarista kam im Kurvenausgang zu schnell auf den Schneewall und rollte aufs Dach. Der Fahrer blieb unverletzt. Auch beim Drift-BMW-M2, dessen Motor während der Fahrt Feuer fing, ging alles glimpflich aus.
Vor dem Unfall: Der Porsche 944 Darkarista lag eine Runde später auf dem Dach.
Neben der Eisstrecke sorgten weitere Attraktionen für Staunen: Red Bull hatte eine riesige Schanze aufgebaut, auf der Motocross-Maschinen und Schneemobile Saltos zeigten. Die Kunstflugshow mit Flugzeug und Hubschrauber vor der Alpenkulisse war atemberaubend.
FAT Ice Race 2026: Spektakuläre Red Bull Airshow vor der Alpenkulisse.
Open Paddock: Fahrzeuge hautnah erleben
Abseits der Strecke öffnete das Open Paddock seine Tore. Hier konnte man alle Teilnehmerfahrzeuge aus nächster Nähe betrachten und mit den Fahrern ins Gespräch kommen.
Brabus präsentierte vom klassischen Mercedes SL über das Motorrad 1400 R und den pfirsichfarbenen Range Rover Brabus 600 Peetch bis zum 900 Mint auf Basis des Lamborghini Urus. Bentley war mit mehreren Fahrzeugen vertreten, darunter ein Continental Speed Six von 1930.
Porsche zeigte den legendären 917/30 Spyder, der 1973 mit über 1.100 PS die CanAm-Serie dominierte. Manthey brachte einen Cayman GT4 MR mit, den Besucher auf einer Rennstrecke für ferngesteuerte Autos umrunden konnten.
Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.
RUF Rodeo: Der Geländesportwagen aus dem Allgäu
Besonders fasziniert hat mich der RUF Rodeo. Auf den ersten Blick wirkt der Geländesportwagen wie ein 964-Restomod mit eckigen Radhäusern. Doch er ist ein komplett eigenständiges Fahrzeug mit Carbon-Monocoque-Chassis, manuellem Getriebe und einem 610-PS-Boxermotor im Heck.
FAT Ice Race 2026: RUF Rodeo in Action.
Die kleine Manufaktur aus dem Unterallgäu beweist damit einmal mehr ihre Ingenieurskunst. Einen ausführlichen Bericht gibt es bald im Neunelfer Magazin.
Neunelfer-Magazin-Chefredakteur Jens Koch und RUF-Geschäftsführer Alois Ruf.
Internationale Gäste und Ausblick
Wie beliebt das FAT Ice Race über den deutschen Sprachraum hinaus ist, zeigte sich an prominenten Besuchern wie Top-Gear-Moderator Chris Harris und Pikes-Peak-Sieger Jeff Zwart.
Insgesamt kamen 8.500 Zuschauer nach Zell am See. Für Porsche-Enthusiasten ist das Event ein Pflichttermin. Das nächste FAT Ice Race findet Ende Januar 2027 statt.
Welches ist euer liebstes Porsche-Event? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Was 2015 als lockeres Treffen einer Handvoll Enthusiasten begann, hat sich zur bedeutendsten Porsche-Community-Veranstaltung Südostasiens entwickelt. Zum zehnjährigen Jubiläum kamen im Impact Speed Park in Bangkok mehr als 3.800 Besucher und 734 Porsche zusammen.