„Einen vollelektrischen 911 wird es nicht geben“: Porsche stellt seine Strategie 2035 vor
Porsche-Chef Dr. Michael Leiters stellt die zukünftige Strategie vor: Weniger, dafür begehrenswerte Fahrzeuge, mehr Synergien mit dem VW-Konzern, Einschnitte für Personal und Aktionäre und: Der 911 bleibt Verbrenner.
Es ist ein Satz, der unter Elfer-Fans für Erleichterung sorgen dürfte: „Einen vollelektrischen 911 wird es nicht geben.“ Mit dieser klaren Ansage hat Porsche-Chef Dr. Michael Leiters auf der Hauptversammlung am 23. Juni einen ersten Einblick in die neue „Strategie 2035“ gegeben, und damit verraten, wohin die Reise für die Marke aus Zuffenhausen geht.
Die Botschaft an die Aktionäre fällt nüchtern aus: Porsche steckt mitten in einer der herausforderndsten Phasen seiner jüngeren Geschichte. Doch zwischen Sparkurs und Stellenabbau steht ein Versprechen, das vor allem Porsche-Liebhaber aufhorchen lässt, die Rückbesinnung auf das, was die Marke im Kern ausmacht.
Hier haben wir den 911 GTS mit T-Hybrid getestet.
Drei Säulen für die Zukunft
Die Strategie 2035 ruht auf drei Handlungsfeldern: Marke & Kunde, Produkte & Technologie sowie Unternehmen & operatives Geschäft. Final ausgearbeitet werden sie bis zum Herbst. Die Details will Porsche am 7. Oktober bei einem Capital Markets Day vorstellen.
„Wir befinden uns nach wie vor in einer herausfordernden Situation und arbeiten deshalb aktuell an einer Strategie, die uns zu einer nachhaltig gesunden Profitabilität und einer stärkeren strategischen Resilienz führt“, erklärt Leiters, der seit dem 1. Januar 2026 an der Spitze des Vorstands steht.
Porsche-Chef Michael Leiters: „Gesunde Profitabilität und strategische Resilienz.“
Gute Nachrichten für Elfer-Puristen
Für die Kerngemeinde ist die Produktstrategie das eigentliche Highlight. Porsche bleibt allen drei Antriebsarten treu: Verbrenner, Hybrid und vollelektrisch. Den Hybrid versteht Leiters dabei ausdrücklich nicht als Übergangslösung.
Im Gegenteil: Für den 911 sei der eigens entwickelte Performance-Hybrid „ein elementarer Baustein, eine Art Lebenselixier für die Zukunft“. Der rein elektrische 911 dagegen bleibt ein Tabu. Die Ikone fährt also weiter mit Benzin im Blut, ergänzt um elektrische Unterstützung, wo sie die Performance schärft.
Anders sieht es beim Cayenne aus. Dem Cayenne Electric traut Leiters eine Schlüsselrolle zu: „Ich bin überzeugt, dass der Cayenne Electric im elektrischen Zeitalter eine Schlüsselrolle für Porsche spielen kann – und dazu beiträgt, eine echte BEV-Heritage aufzubauen.“
Weniger ist mehr: Schlankeres Portfolio
Leiters macht keinen Hehl daraus, dass das Modellangebot zu unübersichtlich geworden ist, auch im Vergleich zum Wettbewerb. „Deshalb reduzieren wir die Zahl der Derivate und fokussieren uns stärker“, so der Vorstandschef.
In den USA hat Porsche bereits die zwei Karosserievarianten Sport Turismo und Cross Turismo des Taycan aus dem Programm genommen. Wo es sinnvoll ist, will man künftig stärker auf gemeinsame Plattformen und Konzern-Baukästen setzen, ein Rezept, das laut Leiters mit Cayenne und Macan bereits aufgegangen ist.
Wird in den USA nicht mehr angeboten: Porsche Taycan Sport Turismo.
Begehrlichkeit statt Stückzahl
Die erste Säule rückt die Marke selbst in den Mittelpunkt. „Alles beginnt mit unserer Marke – und mit unseren Kunden“, betont Leiters. Künftig will sich Porsche noch stärker auf die eigene Sportwagen-DNA besinnen: Design, Performance, Fahrspaß, Heritage und Exklusivität.
Bemerkenswert ist die Abkehr vom reinen Volumendenken. „Mehr Autos machen Porsche nicht automatisch stärker“, sagt Leiters. „Stärker werden wir dann, wenn Kunden sich ganz bewusst für einen Porsche entscheiden. Nicht, weil sie ihn unbedingt brauchen. Sondern, weil sie ihn unbedingt haben wollen.“ Porsche bleibe die Marke für Menschen, „die bewusst selbst fahren wollen, gerade in einer zunehmend automatisierten Welt“.
Hier haben wir das Fahrspaßmodell 911 Carrera T mit Handschaltung getestet.
Begehrlichkeit statt Stückzahl: Neuer Porsche 911 GT3 S/C.
Die unbequeme Seite der Strategie
So selbstbewusst die Produktbotschaft klingt, so ehrlich fällt der Blick auf das Unternehmen aus. Porsche prüft weitere Synergien, vor allem aber laufen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über eine sozialverträgliche Reduzierung der Beschäftigtenzahl.
Aufsichtsratschef Dr. Wolfgang Porsche bereitet die Aktionäre auf einen harten Weg vor: Die nötigen Maßnahmen würden „deutlich spürbar und in Teilen auch schmerzhaft sein“. Zugleich gibt er ein Versprechen, das wie eine Beruhigungspille für alle Fans klingt: „Ein Porsche wird immer ein Porsche bleiben.“
Gemeinsamer Porsche-Kurs: CEO Michael Leiters, Aufsichtsratsvorsitzender Wolfgang Porsche, Finanz- und IT-Chef Jochen Breckner.
Zahlen, Dividende und ein Bekenntnis zum Standort
Trotz des schwierigen Umfelds bestätigt Porsche die Prognose für 2026. Erwartet wird eine operative Konzernumsatzrendite zwischen 5,5 und 7,5 Prozent – belastet durch außerordentliche Aufwendungen von 800 bis 900 Millionen Euro und Zölle von rund 700 Millionen Euro. Der Konzernumsatz soll im Korridor von 35 bis 36 Milliarden Euro liegen.
Die Dividende fällt mit 1,00 Euro je Stamm- und 1,01 Euro je Vorzugsaktie deutlich niedriger aus als im Vorjahr (2,30 €). „In absoluten Zahlen ist die Ausschüttung natürlich niedriger als im Vorjahr“, räumt Leiters ein, ein bewusster Schritt, um in der Transformationsphase finanzielle Flexibilität zu sichern. Rund 1,2 Milliarden Euro stehen dem Unternehmen allein dadurch mehr zur Verfügung.
Klar bekennt sich Leiters zum Standort Deutschland: „Wir müssen Made in Germany neu erfinden und uns unter Beweis stellen. Das wird am Ende darüber entscheiden, ob wir erfolgreich sind.“
Hier haben wir Umsatz und Gewinn des ersten Quartals 2026 analysiert.
Fazit: Geduld ist gefragt
Eine schnelle Rückkehr zu alten Margen stellt Leiters nicht in Aussicht. „Die deutliche Verbesserung unserer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wird vor allem mit unseren künftigen Produkten kommen. Das ist der entscheidende Hebel. Und das braucht Zeit.“
Für Porsche-Liebhaber bleibt unter dem Strich eine beruhigende Erkenntnis: Mitten im Umbau hält die Marke an ihrem Wesenskern fest: am selbst gefahrenen Sportwagen, an der Begehrlichkeit und am Verbrenner-911. Wie konkret das aussieht, erfahren wir am 7. Oktober.
Wird Porsche zu alter Stärke zurückfinden? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Porsche muss einen Absatzrückgang um 15 Prozent hinnehmen. Der Grund sind vor allem der Wegfall von Cayman und Boxster, sowie in Europa auch des Verbrenner Macan. Der 911 legt zu.