Porsche Flachbau RS: Moby Dick mit Straßenzulassung

Porsche 911 Flachbau RS GT2

Porsche lüftet das Geheimnis um den Flachbau RS: Den Namen, den sich die Marke im Mai 2025 beim Europäischen Patentamt schützen ließ, trägt ein Sonderwunsch-Werksunikat auf Basis eines 911 GT2 RS. Knapp drei Jahre Entwicklung, weniger Gewicht, mehr Abtrieb und optisch eine Hommage an den legendären 935 „Moby Dick“.

„Bitte noch mehr Performance und eine Flachbau-Optik, kombiniert mit einem Heckflügel à la 911 GT3 R Rennsport.“ So lautete die Vorgabe.

Als im Mai 2025 bekannt wurde, dass Porsche sich die Modellbezeichnungen „Flachbau“ und „Flachbau RS“ hatte schützen lassen, gingen die Spekulationen los. Ein neues Sondermodell? Eine Kleinserie? Die Antwort ist deutlich exklusiver: Es handelt sich um ein einziges Fahrzeug.

Porsche Flachbau RS Heck

Porsche Flachbau RS: Heckflügel wie beim limitierten 911 GT3 R Rennsport ohne Straßenzulassung.

Der Vorgänger aus den Achtzigern

Flachbau und Sonderwunsch gehören bei Porsche seit Jahrzehnten zusammen. In den Achtzigerjahren bot Porsche für den 911 Turbo, intern Typ 930, eine Umbauvariante mit modifizierten Kotflügeln und Klappscheinwerfern an. Das Vorbild war der 935, der über Jahre die Langstreckenrennen dominierte.

Zwischen 1982 und 1989 wurden 948 Exemplare dieser Umbauversion verkauft. Selbst mit späteren Umrüstungen gehören Flachbau-Porsche bis heute zu den seltensten 911-Varianten.

Hier haben wir die spannende Geschichte des Flachbau-911 nachgezeichnet.

Porsche 911 Flachbau RS 935

Der Flachbau RS und seine Vorbilder, der legendäre 935 „Moby Dick“ (Mitte) und der moderne 935 von 2018.

Die Basis: ein GT2 RS von 2018

Ausgangspunkt des neuen Projekts war ein neuwertiger 911 GT2 RS vom Typ 991.2 mit Weissach-Paket, Baujahr 2018. Der Antrieb blieb auf Wunsch des Kunden unverändert.

Das ist bemerkenswert, denn der Aufwand floss vollständig in Karosserie, Aerodynamik und Leichtbau. Ein Team aus Sonderwunsch Manufaktur, Style Porsche, Entwicklungsingenieuren aus Weissach, Porsche Motorsport und Manthey arbeitete knapp drei Jahre daran.

Der Kunde hat als Basis diesen speedgelben 991 GT2 RS mit Weissach-Paket mitgebracht.

„Der Umbau zu einem Flachbau-Modell erwies sich als sehr anspruchsvoll“, sagt Alexander Fabig, Leiter Produkt- und Individualisierungsangebot bei Porsche. „Unser Anspruch war es, die ikonische Optik des 935 neu zu interpretieren, ohne Kompromisse bei Sicherheit, Technik oder Straßenzulassung einzugehen.“

Zum Gewicht ergänzt Fabig: „Durch konsequenten Leichtbau wiegt das Einzelstück nun 31,6 Kilogramm weniger. Das klingt zunächst vielleicht unspektakulär, allerdings diente mit dem 911 GT2 RS mit Weissach-Paket bereits ein kompromisslos auf Leichtbau getrimmtes Sportmodell als Basis.“

Hier stellen wir den bis heute schnellsten Porsche auf der Nordschleife, den 911 GT2 RS, im Detail vor.

Porsche Flachbau RS: Aus Gewichtsgründen wurde der Innenraum hinter den Vordersitzen leer geräumt.

Der Designer

Verantwortlich für das Design war Grant Larson, der inzwischen im Ruhestand ist. Ein Glücksfall, denn Larson hatte bereits die moderne Interpretation des 935 entworfen, die Porsche 2018 zum 70-jährigen Jubiläum vorstellte.

„Der neue Flachbau RS ist eine moderne, stimmige Neuinterpretation des ikonischen 935 Moby Dick-Designs“, sagt Larson. „Zentrales Element neben den flacheren Kotflügeln ist die Scheinwerfer-Kaskade mit ihren terrassenförmig angeordneten, sehr schmalen LED-Einheiten.“

Porsche Flachbau RS: Flachbau mit Scheinwerferkaskade.

Drei schmale Leuchtbänder

An die Stelle der runden Serienscheinwerfer tritt ein System aus drei LED-Elementen für Fern-, Abblend- und Tagfahrlicht, terrassenförmig übereinander angeordnet.

Die Maße zeigen, worum es geht: Abblend- und Fernlicht messen jeweils knapp vier Zentimeter in der Höhe, das Tagfahrlicht kommt mit weniger als zwei Zentimetern aus. Nur so ließ sich die flache Front überhaupt umsetzen.

Porsche Flachbau RS: Für die Straßenzulassung mussten die Scheinwerfer höher als im 935 platziert werden.

Die Karosserie

Die Kotflügel haben eine flachere Form bekommen und tragen schlitzförmige Luftauslässe. Diese Louvres entlüften die Radkästen und bauen den Staudruck ab.

Der Aufwand steckt in den Folgen: Weil sich die Kontur der Kotflügel änderte, mussten auch der Deckel des Tankverschlusses und die dahinterliegende Kinematik neu konstruiert werden. Der vordere Stoßfänger wurde komplett neu gestaltet, dazu kommen schwarze Flaps von Manthey.

Porsche Flachbau RS Front

Porsche Flachbau RS: Neuer Stoßfänger und Flaps von Manthey.

Grandprixweiß, eigens neu eingemessen

Lackiert ist das Unikat in Grandprixweiß, einem Farbton, der 1974 beim 911 eingeführt wurde. Für dieses Fahrzeug wurde der Weiß-Ton eigens neu entwickelt. Als Referenz diente ein historischer 911 in Grandprixweiß aus der Sammlung der Porsche AG, an dem die Fachleute den Farbton exakt einmaßen.

„Wir haben Grandprixweiß mit mattschwarz lackierten Partien beziehungsweise Flächen mit Sichtcarbon kombiniert“, erklärt Larson. „Dadurch entsteht Spannung, und das U-förmige Kontrastelement an der Front greift ein Designmerkmal des 935/78 im Martini-Look, also des berühmten ‚Moby Dick', auf.“

Besonders auffällig ist, dass die Streifen auf Fronthaube und Dach gegenüber dem Serien-GT2 RS invertiert sind: Mittelstreifen und U-förmiges Kontrastelement bestehen aus schwarzem Sichtcarbon, umgeben von Grandprixweiß. Die Aerodiscs an den Hinterrädern greifen erneut Grandprixweiß auf, die Bremssättel glänzen in tiefem Schwarz.

Porsche Flachbau RS Heck

Porsche Flachbau RS: Neuauflage der Farbe Grandprixweiß.

Aerodynamik mit mehr Downforce

Frontsplitter, Unterbodenstruktur des Manthey-Kits und hinterer Diffusor arbeiten zusammen. Die CfK-Aerodiscs an den Hinterrädern verringern den Luftwiderstand.

Das auffälligste Bauteil ist der neue Heckflügel mit S-förmiger Anbindung, inspiriert vom entsprechenden Teil des 911 GT3 R Rennsport vom Typ 992, hier allerdings etwa fünf Zentimeter höher ausgeführt. Er lässt sich manuell in drei Stellungen fixieren.

Die Zahlen dazu: In den Einstellungen „High Downforce“ und „Low Downforce“ liegt der Abtrieb an der Hinterachse gegenüber einem 911 GT2 RS mit Manthey-Kit und entsprechender Flügelstellung um zwei beziehungsweise drei Prozent höher. Bei der Höchstgeschwindigkeit von 340 km/h und im Setup „High Downforce“ produziert der Flachbau RS exakt 554 Kilogramm Abtrieb auf der Hinterachse.

Flügeleinstellung und die zugehörige Kennzeichnung der Position sind patentrechtlich geschützt.

Hier sind wir mit dem Flachbau-Porsche 997 K3R von Kremer über die Nordschleife geflogen.

Porsche Flachbau RS Erprobung in Weissach

Porsche Flachbau RS: Erprobung in Weissach im Windkanal.

Puristischer Innenraum

Vor dem Umbau prägten rotes Alcantara, schwarzes Leder und Sichtcarbon den Innenraum. Vorne bis zu den Sitzen blieb dieses Ambiente erhalten. Alles dahinter wurde ausgeräumt wie in einem Rennwagen.

Dem Leichtbau fielen zahlreiche Komfortelemente zum Opfer. Das Porsche Communication Management wurde entfernt und durch ein lederbezogenes Staufach ersetzt, sämtliche Komponenten des Audiosystems demontiert. Geräuschdämmende Verkleidungen und Bodenbeläge in Innen- und Kofferraum mussten weitgehend weichen.

Stattdessen zeigen sich viele Teile in einer spartanischen Metalloberfläche in Grandprixweiß. Ausgewählte Flächen wie die Verlängerung der Armauflage sind mit Carbon-Zierteilen verkleidet. Der neu verlegte Kabelstrang bleibt bewusst sichtbar und ist nur durch Ummantelungen geschützt, aus Gewichtsgründen wurde er zudem um einzelne Leitungen reduziert.

Porsche Flachbau RS Sitze

Porsche Flachbau RS: Schalensitze mit Flachbau-RS-Schriftzug und Nürburgring-Stickung auf den Kopfstützen.

Auf den Kopfstützen der Vollschalensitze aus Carbon ist „Flachbau RS“ eingestickt, dahinter erkennt man die stilisierte Strecke der Nordschleife. Auf der Beifahrerseite sitzt eine goldfarbene Plakette mit dem Sonderwunsch-Schriftzug und der Gravur „Factory One-Off 2026 | Flachbau RS“.

Ein Detail, das die Konsequenz zeigt: Warndreieck und Abschleppöse sitzen nicht mehr in den serienmäßigen Halterungen, sondern in einer Emergency-Box. Wer auf die Rennstrecke will, nimmt die 5,5 Kilogramm schwere Box mit einem Handgriff heraus.

Porsche Flachbau RS Innen

Porsche Flachbau RS: Im Innenraum hat Porsche das Infotainment entfernt.

Die Erprobung

Am Anfang stand die digitale Absicherung. Dazu gehörten vereinfachte Crashsimulationen zur Validierung der Airbag-Auslösung, detaillierte Strukturanalysen mit Blick auf die Belastungen des großen Heckflügels und aerodynamische Berechnungen mittels Computational Fluid Dynamics. Erst nach bestandenen virtuellen Tests begann der Bau der Werkzeuge für die geänderten Bauteile.

Der Heckflügel durchlief anschließend einen Hydropulser-Prüfstand mit extremen Erschütterungen, dazu prüften die Fachleute seine statische Belastbarkeit mit Sandsäcken.

Insgesamt entstanden drei Versuchsträger für Licht- und Windkanal sowie Fahrversuche. Erprobungsfahrten auf dem Flugplatz Mendig, allein 50 Runden auf der Nordschleife und Dauerlauftests in Weissach summierten sich auf eine Beanspruchung, die für den Heckflügel rund 150.000 Kilometern in Kundenhand entspricht.

Porsche Flachbau RS Weissach Erprobung

Porsche Flachbau RS auf Erprobungsfahrt in Weissach.

„Auf der Nordschleife wird unmittelbar klar, wie sauber ein Aerodynamik-Konzept funktioniert“, sagt Porsche-Testfahrer Lars Kern. „Der Flachbau RS bleibt auch bei sehr hohen Geschwindigkeiten extrem stabil und präzise. Genau diese Rückmeldung braucht es, um ein so radikal verändertes Karosseriekonzept abzusichern.“

Übrigens: Als ein getarnter Flachbau-Erprobungsträger auf dem Nürburgring seine Runden drehte, erreichten die Videos in sozialen Medien innerhalb weniger Stunden mehr als 100.000 Aufrufe.

Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.

Was so ein Projekt kostet

Porsche nennt für dieses Fahrzeug keine genauen Zahlen. Es gibt aber allgemeine Informationen zum Sonderwunsch-Programm, aus denen sich die Größenordnung ableiten lässt, in der solche Werksunikate liegen.

Der Prozess läuft in drei Phasen. Am Anfang steht die Vorabstimmung, bei der der Kunde seinen Wunsch über ein Porsche-Zentrum äußert und ein Kick-off-Termin Zielsetzung und Umfang festlegt. Es folgt die Konzeptphase, in der Anforderungen definiert sowie Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit geprüft werden. Sie ist mit rund anderthalb Jahren und einem Preis von 150.000 Euro angesetzt. Die Realisierungsphase dauert etwa zweieinhalb Jahre, für sie werden zwei bis 15 Millionen Euro pro Fahrzeug genannt. Immerhin werden die 150.000 Euro für den Realisierungsplan angerechnet.

Der Kunde fungiert dabei als Projektleiter und bekommt sogar einen Werksausweis. Auf Porsche-Seite arbeitet ein Team aus Kundenbetreuung, Design, Projektentwicklung und Projektmanagement.

Porsche Flachbau RS Seite

Porsche Flachbau RS: Zwischen zwei und 15 Millionen Euro kostete der Umbau.

Über den 935

Der 935 entstand auf Basis des 911 Turbo, intern Typ 930, und sorgte ab 1976 auf den Rennstrecken für Furore. Vier Mal in Folge gewann Porsche damit die Markenweltmeisterschaft, dazu kamen mehrere Siege bei den 12 Stunden von Sebring und beim 24-Stunden-Rennen von Daytona sowie ein Klassensieg in Le Mans.

Den Kosenamen „Moby Dick“ verdankte der Le-Mans-Rennwagen 935/78 vor allem seiner langgezogenen aerodynamischen Form.

2018 stellte Porsche im Rahmen der Rennsport Reunion eine moderne Interpretation vor: den 700 PS starken Clubsport-Rennwagen 935 in einer Kleinserie von 77 Stück, ebenfalls entworfen von Grant Larson und ebenfalls auf Basis des 991 GT2 RS.

Porsche 935 Moby Dick

Inspiration für den Flachbau RS: Porsche 935 „Moby Dick“ von 1978.

Fazit

Der Flachbau RS ist die konsequenteste Antwort auf eine Frage, die sich viele 911-Fahrer schon einmal gestellt haben: Was wäre, wenn man den Flachbau der Achtzigerjahre jetzt noch einmal bauen würde, mit den Mitteln von heute?

Die Antwort fällt teurer und aufwendiger aus, als sie es je war. Knapp drei Jahre, drei Versuchsträger, Wind- und Lichtkanal, 50 Runden Nordschleife, und all das für ein einziges Fahrzeug. Der Motor blieb dabei unangetastet: Der gesamte Aufwand floss in Design, Aero und Leichtbau.

Was uns freut: Die ganze Aufgabenstellung des Projekts deutet darauf hin, dass der Besitzer trotz des des Werts von deutlich über zwei Millionen vorhat, den Wagen tatsächlich zu fahren.

Also haltet auf dem Nürburgring die Augen offen!


Wie gefällt euch das Modell? Schreibt es gerne in die Kommentare.


Weiter
Weiter

Porsche 911 GT3 100 Jahre Nürburgring: 100 Autos für das Jubiläum der Grünen Hölle