Der 911 Carrera S kommt als Handschalter zurück, aber nur in Nordamerika
Porsche bringt das Sechsgangschaltgetriebe in den 911 Carrera S zurück. Das neue MT Package (Manuel Transmission) gibt es allerdings ausschließlich in Nordamerika, für Coupé und Cabriolet, ab 167.100 US-Dollar. Auslöser war nach Angaben der Marke die überwältigende Kundennachfrage.
Als der 992.2 im vergangenen Jahr startete, gab es den Carrera S nur noch mit dem Achtgang-PDK. Für viele Fahrer war das ein Verlust, und offenbar haben genügend von ihnen das auch gesagt.
Was das MT Package beinhaltet
Das Paket ist mehr als ein Getriebe. Porsche hat es als eigenständige Variante angelegt, mit deutlich erweiterter Serienausstattung gegenüber dem regulären Carrera S und einer klaren Ausrichtung auf das analoge Fahrerlebnis.
Angetrieben wird der Wagen vom bekannten Dreiliter-Biturbo mit 480 PS. Der Antrieb geht ausschließlich an die Hinterachse, Allrad gibt es nicht.
Serienmäßig an Bord sind:
Hinterachslenkung
PASM Sportfahrwerk mit 10 Millimeter tieferer Karosserie
Sport Chrono Paket
eigene Auspuffabstimmung
Zentralverschlussräder, erstmals bei einem Carrera S!
Vierwege-Sportsitze Plus
Titan-Endrohre mit schwarzer Blende
SportDesign-Frontschürze
Schaltknauf aus Nussbaumholz
rotes „S“ am Heck
Die Zentralverschlussräder sind dabei nicht nur ein optisches Merkmal. Sie sparen gegenüber den Standardrädern des Carrera S mehr als 17 Pfund, also rund acht Kilogramm ungefederte Masse.
Porsche 911 Carrera S mit MT Package: Handschalter Paket mit leichten Zentralverschlussrädern.
Das rote S mit einer besonderen Herkunft
Ein Detail, das man leicht überliest: Das rote „S“ auf der Heckklappe geht auf eine Modifikation zurück, die nordamerikanische Enthusiasten selbst vorgenommen und beliebt gemacht haben.
Porsche übernimmt hier also eine Idee aus der eigenen Kundschaft ins Werksprogramm. Das kommt selten vor, und es passt zu einem Modell, das auf ausdrücklichen Kundenwunsch entstanden ist.
Erkennungszeichen rotes S: 911 Carrera S mit Handschaltung.
Gewicht: fünf Kilo über dem Carrera T
Die interessanteste Zahl der Mitteilung. Das Coupé mit MT Package wiegt 3.327 Pfund, umgerechnet rund 1.509 Kilogramm. Das sind nur elf Pfund, also etwa fünf Kilogramm, mehr als ein 911 Carrera T Coupé.
Damit positioniert Porsche das Modell dicht neben dem T, aber mit deutlich mehr Leistung. Die Serienbremsanlage entspricht der des Carrera S mit gegossenen Scheiben von 408 Millimetern vorn und 380 Millimetern hinten, Sechskolben-Festsätteln vorn und Vierkolben-Festsätteln hinten.
Ein Unterschied zum Carrera T ist ausdrücklich benannt: Beim MT Package lässt sich die Keramikbremse PCCB bestellen. Beim T ist das nicht möglich.
Der 911 Carrera S mit Handschalt-Paket leistet 86 PS mehr als der Carrera T, aber wiegt nur fünf Kilo mehr.
Sieben Handschalter im Programm
In Nordamerika bietet Porsche damit drei 911-Varianten mit konventionellem Schaltgetriebe an.
Den Einstieg bildet der 911 Carrera T. Am anderen Ende steht der 911 GT3 mit Saugmotor und entsprechendem Fahrwerk. Dazwischen sitzt nun der Carrera S mit MT Package, der wie Carrera T als Coupé oder Cabrio erhältlich ist.
Timo Resch, President und CEO von Porsche Cars North America, ordnet das so ein: Während manche Marken das Schaltgetriebe aufgäben, biete Porsche weiterhin drei Pedale in einer Reihe von Produkten für unterschiedliche Anwendungsfälle. Kupplung und Schalthebel seien nicht für jeden, aber für die Fahrer, die es wollen, gebe es wirklich keinen Ersatz.
Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.
Der 911 Carrera S besitzt wie der Carrera T einen Schaltknauf aus Schichtholz.
Die optionalen Pakete
Wer möchte, kann optisch weiter zuspitzen.
Das Exterieur-Paket bringt HD-Matrix-Design-Scheinwerfer in Schwarz mit weißem Farbring, Räder in Ceramica, das rote „S“ am Heck, den PORSCHE-Schriftzug in Weiß, Spiegelunterschalen in Wagenfarbe und Einstiegsleuchten, die das Schaltschema des Sechsganggetriebes auf den Boden projizieren.
Das Interieur-Paket ergänzt Sitzmittelbahnen aus Plaid-Sport-Tex mit Streifen in Chalk, farblich passende Gurte und Nähte, Zierteile in Ceramica mit schwarz gebürsteten Aluminiumakzenten, einen weißen Ring am Zifferblatt der Sport-Chrono-Uhr sowie Einstiegsleisten in gebürstetem Schwarzaluminium.
An Individualisierung mangelt es ohnehin nicht: 17 Außenfarben, nach Verfügbarkeit dazu Paint to Sample und Paint to Sample Plus, sowie mehr als 70 Lederkonfigurationen für den Innenraum.
Optional bestellbar sind außerdem 14-Wege-Sportsitze, 18-Wege-Sportsitze Plus und klappbare Leichtbau-Vollschalensitze aus Carbon.
Auf Wunsch wird das Schaltschema des Sechsganggetriebes beim Öffnen der Tür auf den Boden projiziert.
Preise und Verfügbarkeit
Der Einstiegspreis liegt bei 167.100 US-Dollar für das Coupé und 181.000 US-Dollar für das Cabriolet, jeweils zuzüglich 2.350 US-Dollar für Auslieferung und Bearbeitung. Bestellungen sind ab sofort über die Porsche Center möglich, die Auslieferung soll bis Ende 2026 beginnen.
Fazit
Erfreulich, dass Porsche tatsächlich auf Kundenwünsche reagiert und nicht nur ein Getriebe nachreicht, sondern eine eigenständige Variante baut. Hinterachslenkung, Sportfahrwerk, Zentralverschlussräder und eine eigene Abgasabstimmung serienmäßig, dazu ein Gewicht knapp über dem Carrera T. Das ist ein durchdachtes Modell.
Ob Porsche das MT Package später auch nach Europa bringt, dazu sagt die Mitteilung nichts. Zulassungsrechtlich dürfte das kein unlösbares Problem sein, schließlich gibt es Carrera T und GT3 hier mit Handschaltung.
Sollte Porsche den 911 Carrera S Handschalter nach Deutschland bringen? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Er ist fast alles gefahren, was Porsche gebaut hat. Und sagt: das Neueste ist das Beste. Grip-Moderator Matthias Malmedie über den 964, seine Fahrt im 919 Hybrid und einen elektrischen 911.