Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo: Winterroadtrip in die Alpen

Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo

Wie gut ist der Taycan 4 Cross Turismo mit 435 PS? Wir finden es auf einer 800 Kilometer langen Winterreise unter erschwerten Bedingungen heraus.

Der Wecker klingelt um 5 Uhr. Freudig springe ich aus dem Bett, obwohl ich sonst eher ein Langschläfer bin, denn heute geht es zum FAT Ice Race nach Zell am See. Und wir fahren mit dem schicken Taycan 4 Cross Turismo. Das ist die Einstiegsvariante des elektrischen Leichtgeländekombis, aber mit 435 PS alles andere als untermotorisiert.

Von einer Straßenlaterne beleuchtet, steht er in der winterlichen Stadt. In Dolomitsilbermetallic und mit den 20-Zoll-Offroad-Design-Rädern gefällt mir der Wagen richtig gut. Ich finde, der Cross Turismo ist ohnehin die schönste Variante des Taycan.

Beim Öffnen der Tür hebt sich der Wagen dank des optionalen Active-Ride-Fahrwerks einige Zentimeter an, um das Einsteigen zu erleichtern, eine nette Willkommensgeste. Das erste Ziel ist per Sprachbefehl schnell im Navi eingegeben: Tegernsee, zwei Stunden Fahrzeit. Ich muss den Fotografen noch bei einem Hotel abholen.

Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo Innen

Taycan 4 Cross Turismo: Top Navi mit Ladeplanung.

Angenehmer Reisewagen

Schon auf dem kurzen Landstraßenstück und der Autobahnauffahrt zeigt sich die exakte Porsche-Lenkung und die geringen Seitenneigungen. Auf der Autobahn fährt der Taycan ruhig und stabil.

Was ebenfalls auffällt: Der Wagen heizt den Innenraum angenehm schnell auf, die optionale Sitz- und Lenkradheizung sind bei den Minustemperaturen automatisch angesprungen.

So gleiten wir komfortabel, dank aufpreispflichtiger Geräuschschutzverglasung leise und wegen der HD-Matrix-LED-Scheinwerfer optimal ausgeleuchtet unserem Zwischenziel entgegen.

Die Sonne geht langsam über den ersten Alpenhöhenzügen auf, der Himmel färbt sich lila. Nach einem kurzen Ladestopp mit Kaffee komme ich in Tegernsee an. Marcus freut sich über den 446 Liter großen Kofferraum, in dem das Kameraequipment gut Platz findet. Unter der vorderen Haube gibt es noch ein 81 Liter großes Staufach für Ladekabel oder Ähnliches.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo Kofferraum

Ausreichend großer Kofferraum im Taycan Cross Turismo.

Wer größere Kinder hat oder häufiger auf Langstrecken mit mehr als zwei Erwachsenen unterwegs ist, sollte aber wissen, dass der Beinraum im Fond begrenzt ist: Auf den hinteren Sitzen hat man mit 1,80 Meter Größe nur noch wenige Zentimeter zwischen Knien und Vordersitzen. Für die stattliche Außenlänge von 4,97 Metern hätte ich mehr erwartet.

Dafür fährt er sich richtig gut: Nach dem komfortablen und schnellen Autobahnabschnitt lässt der Taycan 4 Cross Turismo auf den kurvigen Landstraßen in Österreich den Sportwagen raus. Die 435 PS schieben ihn ordentlich nach vorn (4,7 s auf 100 km/h), die Luftfederung mit dem teuren Wankausgleich verhindert Karosseriebewegungen und der niedrige Schwerpunkt erlaubt hohe Kurvengeschwindigkeiten. Nur beim Bremsen merkt man das hohe Gewicht von 2.280 kg etwas, auch wenn die Bremsanlage Porsche-typisch fest zubeißt und sich gut dosieren lässt.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo Test Heck

Bitte nicht am Taycan lecken: Dolomitsilbermetallic sieht zum Anbeißen aus.

Wir kommen gut gelaunt in Zell am See beim FAT Ice Race an und parken in der Nähe von Jan-Erik Slootens gelbem Porsche 911 GT3 RS mit Manthey-Paket.

So war es beim FAT Ice Race.

Nach einem actionreichen Tag mit vielen spannenden Fahrzeugen, spritzenden Schneefontänen, verrücktem Skijöring und interessanten Leuten steigen wir im Dunkeln wieder in den Taycan, um zum Hotel zu fahren. Wir laden noch mal 15 Minuten, damit wir morgen im Hellen mehr Zeit für das Fotoshooting des Taycan haben.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo Österreich

Der modern gezeichnete Taycan Cross Turismo fügt sich überall gut ein.

Am Hotel stellen wir fest, dass wir auch dort hätten laden können. Das hätte ich natürlich vorher erfragen können. An der Wechselstromsäule lädt der Taycan mit 11 kW in elf Stunden von 0 auf 100 Prozent, die Nachtstunden hätten wir also gut nutzen können. Das merke ich mir fürs nächste Mal. Immerhin kommt dem Wagen auf dem durch Schnee und festgefrorenen Schneematsch etwas unwegsamen Parkplatz seine höhere Bodenfreiheit zugute. Ob man den leicht geländegängigen Cross Turismo wirklich braucht oder nur wegen der Optik dem Sport Turismo vorzieht, muss wohl jeder selbst entscheiden.

Bei einem leckeren Wiener Schnitzel zeigt mir Marcus die ersten Bilder vom Ice Race, dann geht es ins Bett. Der Tag draußen im Schnee war anstrengend.

Nach einem ausgezeichneten Frühstück fahren wir am nächsten Morgen bei Nebel erst mal nach St. Johann in Tirol. Dann steuern wir eine etwas in die Jahre gekommene Waschstraße an, in die der mit Außenspiegeln 2,144 Meter breite Cross Turismo gerade so reinpasst.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo Waschstraße

Der breite Taycan Cross Turismo passte gerade so in diese Waschstraße.

Glücklicherweise lichtet sich der Nebel etwas und wir können den Taycan Cross Turismo für die Fotos an verschiedenen Locations in Szene setzen. Zum Kaffee sind wir beim Stanglwirt, einer Promi-Institution, meiner Meinung nach aber etwas überbewertet. Wir können aber während des Kaffeetrinkens laden, zumindest mit 60 kW. Zeit, noch mal über das Laden zu reden.

Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo Stanglwirt

Der Taycan-Fahrer freut sich, wenn er während des Kaffeetrinkens beim Stanglwirt laden kann.

Die Sache mit der Reichweite

Wir fahren das Elektroauto so, wie wir sonst auch Verbrenner fahren: Wo erlaubt mit 180 km/h und schalten Komfortfeatures wie Sitzheizung ein, wenn wir es als angenehm empfinden. Jetzt im Winter nagen zudem Temperaturen unter null Grad an der Reichweite. Hohe Geschwindigkeiten und niedrige Temperaturen: die denkbar schlechtesten Voraussetzungen also für den Elektro-Porsche.

Hier bin ich den elektrischen Macan Turbo gefahren und war begeistert.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo schräg vorn

Der Taycan Cross Turismo hat die Klappe für den Schnellladeanschluß vorne rechts.

Der Taycan Cross Turismo kommt immer mit der großen Performance Batterie Plus, kann also 97 kWh speichern (brutto 105 kWh). Unser Taycan hat bei seiner Konfiguration eine offizielle Reichweite von 586 Kilometern. Das klingt vielversprechend. Vor allem die hohen Geschwindigkeiten auf der deutschen Autobahn sorgen aber dafür, dass in unserem Test nur noch 350 km übrig bleiben.

Auf Langstrecke lädt man in der Praxis die Batterie am Schnelllader nur bis 80 Prozent, weil die Ladegeschwindigkeit danach deutlich abnimmt. Da man mit rund 10 Prozent Akkustand als Reserve an der Ladestation ankommen möchte, bleiben noch 245 km zwischen den Ladestopps.

In Österreich, wo niedrigere Geschwindigkeiten zwischen 110 und 130 km/h auf der Autobahn erlaubt sind, sinkt der Verbrauch so weit, dass die Reichweite auf fast 400 km steigt. Von 80 auf 10 Prozent gefahren sind das noch 280 km. Das sind nur 14 Prozent mehr Reichweite als bei schneller Fahrt. Es lohnt sich also nicht besonders, in Deutschland langsamer zu fahren.

Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo Kofferraum vorn

Im vorderen Kofferraum des Taycan 4 Cross Turismo kann man Kleinigkeiten wie Ladekabel unterbringen.

Immerhin klappt es perfekt mit dem Laden und es geht schnell: 15 bis 20 Minuten haben die Ladestopps gedauert. Die Ladeplanung des Navis funktioniert dabei perfekt, es zeigt bei den geplanten Stopps die freien Säulen an, wie lange man laden muss und ob Restaurants vor Ort sind.

Sinnvoll ist ein Ladevertrag, der bei Ionity für 12 Euro im Monat den Preis einer Kilowattstunde am Schnelllader von 69 auf 39 Cent senkt. Bei unserer hohen Geschwindigkeit ergäben sich dann Kosten von 10 Euro auf 100 Kilometer. Ein vergleichbar motorisierter Panamera würde mindestens aufs Doppelte kommen. Im Stadtverkehr ist der Panamera sogar dreimal so teuer. Denn hier kann der elektrische Antrieb mit Rekuperation seine Stärken gegenüber einem Verbrenner voll ausspielen: Wer täglich 50 Kilometer durch die Stadt fährt, muss dann auch erst nach zehn Tagen wieder laden und spart jede Menge CO2 und Geld.

Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.

Rückfahrt mit Topspeed

Langsam wird es Zeit, den Rückweg anzutreten. Marcus' Flug geht von München zurück nach Hamburg. Auf der deutschen Autobahn können wir die Höchstgeschwindigkeit austesten: 228 km/h steht auf dem Tacho, 220 sind es offiziell, das reicht für die meisten Anwendungen. Der optionale Electric Sport Sound, der im Sport-Plus-Modus automatisch zugeschaltet wird, ist ganz cool und vermittelt durchs akustische Modulieren auch einen besseren Eindruck von Beschleunigung und Geschwindigkeitsreduzierung.

Die meiste Zeit haben wir lieber die Ruhe genossen oder Musik über die aufpreispflichtige und klangstarke Bose-Soundanlage gehört. Dank der Geräuschschutzverglasung im Testwagen blieb es auch bei schnellerer Fahrt leise im Taycan. Im Gegensatz zum Macan konnten wir kaum Windgeräusche vernehmen, nur das Abrollen der breiten Reifen ist hörbar.

Porsche Taycan 4 Cross Turismo Test oben

Dank der guten Aerodynamik hört man im Taycan Cross Turismo auch bei schneller Fahrt keine Windgeräusche.

Wir erreichen den Flughafen München. Ich lasse Marcus am Terminal 2 raus und mache mich auf den Rückweg nach Ulm. Gestern Morgen ging es dem Sonnenaufgang entgegen, heute fahre ich in den Sonnenuntergang.

Preise

Zeit, etwas über die Preise zu reflektieren. Der Testwagen kostet 150.000 Euro, 114.200 Euro ist der Grundpreis. Interessanterweise sind das fast die gleichen Preise wie bei unserem elektrischen Macan Turbo Testwagen mit 639 PS. Der Macan bietet dabei mehr Platz, kompaktere Abmessungen, extreme Beschleunigung und eine ähnliche Reichweite. Bei Fahrkomfort, Geräuschkulisse und weniger stark bei der Qualitätsanmutung sehe ich den Taycan vorn.

Auch der Cayenne Electric ist mit ähnlicher Motorisierung zum gleichen Preis verfügbar. Er bietet bei gleicher Länge wie der Taycan Cross Turismo 340 Liter mehr Kofferraum und fürstliche Platzverhältnisse für hintere Passagiere. Den Cayenne werden wir auch noch testen.

Gebraucht bekommt man das ab März 2024 gebaute Faceliftmodell des Taycan 4 Cross Turismo ab 85.000 Euro. Ein hoher, aber normaler Wertverlust für das Segment.

Test Porsche Taycan 4 Cross Turismo parkt

Der Taycan 4 Cross Turismo hat sich auch bei widrigen Bedingungen im Winter bewährt.

Ich bin zuhause angekommen und stelle den Wagen wieder unter der Straßenlaterne ab. Ein Blick zurück: Ist der Taycan 4 Cross Turismo ein echter Porsche mit Emotionen? Auf jeden Fall! Und ein richtig guter Reisewagen.

Wie gefällt euch das Modell? Schreibt es gerne in die Kommentare.


Weiter
Weiter

Porsche 911 Turbo S Exclusive Series: Schnelle Handwerkskunst