Porsche im 3. Quartal 2026: weniger Autos, mehr Gewinn
Porsche liefert 16 Prozent weniger Autos aus und verdient trotzdem deutlich mehr als vor einem Jahr. Dazu spült der Verkauf der Bugatti- und Rimac-Anteile knapp eine Milliarde Euro in die Kasse. Doch wer die Sondereffekte herausrechnet, sieht ein differenzierteres Bild.
Die Zahlen der ersten neun Monate 2026 wirken auf den ersten Blick widersprüchlich. Porsche lieferte 178.532 Fahrzeuge aus, im Vorjahreszeitraum waren es noch 212.509. Der Umsatz sank um 5,9 Prozent auf 25,28 Milliarden Euro, also deutlich weniger stark als der Absatz.
Das operative Ergebnis kletterte dagegen auf 1,74 Milliarden Euro. Im Vorjahr standen nach neun Monaten nur 0,04 Milliarden Euro in der Bilanz. Die operative Umsatzrendite steigt damit von 0,2 auf 6,9 Prozent. Die EBITDA-Marge im Automobilgeschäft gibt Porsche mit 17,3 Prozent an, nach 11,9 Prozent im Vorjahr.
Den Sprung erklärt Porsche selbst vor allem mit dem Vorjahr. 2025 belasteten Kosten für die strategische Neuausrichtung die ersten neun Monate mit 2,7 Milliarden Euro. 2026 waren es laut Porsche bislang etwa 500 Millionen Euro.
„Wir setzen unsere strategische Neuausrichtung konsequent und mit hoher Geschwindigkeit um“, sagt Vorstandschef Michael Leiters. Ziel sei, dass Porsche „langfristig stärker, fokussierter und profitabler“ dasteht.
Hier stellen wir Porsches neue Zukunftsstategie im Detail vor.
Porsche Q1-Q3 2026 Finanzdaten: Solides Ergebnis.
Bugatti und Rimac bringen knapp eine Milliarde
Im September vollzog Porsche den Verkauf seiner Beteiligungen an Bugatti Rimac und der Rimac Group. Käufer ist ein internationales Konsortium unter Führung der New Yorker Investmentgesellschaft HOF Capital. Porsche gab dabei 45 Prozent an Bugatti Rimac und 20,6 Prozent an der Rimac Group ab.
Hier erklären wir den Bugatti-Verkauf im Detail.
Der Mittelzufluss betrug laut Porsche 984 Millionen Euro, der Veräußerungsgewinn 593 Millionen Euro. Dieser Gewinn landet im Finanzergebnis und nicht im operativen Ergebnis. Die Rendite von 6,9 Prozent enthält ihn also nicht.
Das Geld wirkt dafür beim Netto-Cashflow Automobile, der auf 2,50 Milliarden Euro wuchs (Vorjahr: 1,34 Milliarden Euro). Gleichzeitig zahlte Porsche im dritten Quartal 250 Millionen Euro zur Ausfinanzierung der Pensionen ein. Die US-Zölle kosteten im selben Zeitraum 200 Millionen Euro an Liquidität. Die Netto-Liquidität im Automobilgeschäft stieg bis Ende September auf 8,23 Milliarden Euro.
Auch die Beratungstochter MHP steht zum Verkauf. Im August unterschrieb Porsche einen Kaufvertrag mit Tata Consultancy Services. Den Abschluss erwartet Porsche innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Porsche konzentriert sich auf sein Kerngeschäft: Die Anteile an Bugatti wurden wieder verkauft.
Nordamerika vorn, China schwierig
Nordamerika bleibt mit 56.088 Auslieferungen die stärkste Region. In China bezeichnet Porsche das Umfeld als „unverändert anspruchsvoll“ und stellt dort nach eigener Aussage die Markenpflege über kurzfristige Stückzahlen.
Der Anteil vollelektrischer Fahrzeuge sank auf 21,7 Prozent, nach 23,1 Prozent im Vorjahr. Porsche begründet den Rückgang mit dem starken Hochlauf des elektrischen Macan im Jahr 2025.
Porsche bestätigt die Prognose für 2026
Für das Gesamtjahr erwartet Porsche weiterhin einen Umsatz von 35 bis 36 Milliarden Euro und eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent. Die EBITDA-Marge Automobile soll zwischen 15 und 17 Prozent liegen, die Netto-Cashflow-Marge zwischen 5,5 und 7,5 Prozent. Der Anteil elektrischer Autos soll auf 24 bis 26 Prozent steigen.
Der elektrische Cayenne, der seit März 2026 auf dem Markt ist, verkauft sich gut.
Einordnung: Wie gut steht Porsche wirklich da?
Die Pressemitteilung klingt nach Aufbruch. Ein genauerer Blick in die Zahlen und ein Vergleich mit früheren Veröffentlichungen liefern Antworten auf drei Fragen. Alle folgenden Rechnungen beruhen auf den gerundeten Angaben von Porsche und sind eigene Berechnungen der Redaktion.
War der Preis für Bugatti und Rimac zu niedrig?
Eine eindeutige Antwort gibt es nicht, weil die Beteiligten den Kaufpreis nie offiziell genannt haben. Einen Anhaltspunkt liefert aber die letzte große Finanzierungsrunde der Rimac Group. Im Juni 2022 sammelte Rimac 500 Millionen Euro ein, unter anderem von SoftBank und Goldman Sachs. Die Gruppe wurde dabei mit über zwei Milliarden Euro bewertet.
Legt man diese Bewertung zugrunde, wären Porsches 20,6 Prozent an der Rimac Group gut 410 Millionen Euro wert. Vom Gesamterlös von 984 Millionen Euro entfielen damit rund 570 Millionen auf die 45 Prozent an Bugatti Rimac. Das entspräche einem Wert von etwa 1,3 Milliarden Euro für das gesamte Bugatti-Gemeinschaftsunternehmen.
Ein Ausverkauf sieht anders aus. Der Erlös liegt grob auf dem Niveau der Bewertung von 2022, und die entstand auf dem Höhepunkt der Elektroauto-Euphorie. Seitdem haben viele Elektro-Start-ups massiv an Wert verloren. Dazu kommt, dass Porsche nur Minderheitsanteile ohne Kontrolle verkaufen konnte. Solche Pakete erzielen selten Spitzenpreise, und der Kreis möglicher Käufer bleibt klein. Schon Ende 2025 berichteten Medien über Gespräche mit HOF Capital über einen Deal von „mehr als einer Milliarde“.
Bemerkenswert ist der Buchgewinn von 593 Millionen Euro. Er zeigt, dass Porsche die Anteile deutlich über ihrem Buchwert losgeworden ist. Aus Zufluss und Gewinn lässt sich grob ableiten, dass die Beteiligungen mit rund 400 Millionen Euro in den Büchern standen. Ob Bugatti mit dem Tourbillon unter neuen Eigentümern mittelfristig mehr wert wird, bleibt offen. Für Porsche zählt in der aktuellen Lage vor allem das Geld in der Kasse.
Die Marge ohne Sondereffekte
Hier wird das Bild nüchterner. Eine bereinigte Rendite veröffentlicht Porsche nicht, sie lässt sich aber aus den Angaben berechnen. Die Neuausrichtung belastete die ersten neun Monate 2026 laut Porsche netto mit rund 500 Millionen Euro. Darin stecken 800 Millionen Euro an laufenden Kosten, denen 300 Millionen Euro aus aufgelösten Rückstellungen des Vorjahres gegenüberstehen. Ohne diese Posten ergibt sich ein operatives Ergebnis von etwa 2,24 Milliarden Euro und eine Rendite von knapp 9 Prozent.
Im Vorjahreszeitraum lag das Ergebnis ohne die 2,7 Milliarden Euro für die Neuausrichtung bei rund 2,74 Milliarden Euro. Die so bereinigte Rendite betrug damals gut 10 Prozent. Um die Neuausrichtung bereinigt, verdient Porsche also nicht mehr, sondern etwas weniger als vor einem Jahr. Ein Teil der Lücke dürfte auf die US-Zölle zurückgehen. Sie wirken 2026 über alle neun Monate, 2025 dagegen erst ab dem Frühjahr. Wie hoch die Zollbelastung 2026 bisher ausfiel, beziffert Porsche nicht.
Das dritte Quartal allein sieht mit einem operativen Ergebnis von 387 Millionen Euro und 4,8 Prozent Rendite schwach aus. Darin stecken allerdings rund 300 Millionen Euro für die Neuausrichtung, vor allem für den Stellenabbau. Bereinigt kommt das Quartal auf etwa 8,5 Prozent und liegt damit auf dem Niveau des ersten Halbjahres. Im dritten Quartal 2025 waren es bereinigt noch knapp 11 Prozent.
Zum Vergleich: 2024 erzielte Porsche eine operative Umsatzrendite von 14,1 Prozent. Für 2025 meldete Porsche 1,1 Prozent, belastet durch Sonderaufwendungen von rund 3,9 Milliarden Euro für Neuausrichtung, Batterien und Zölle. Ohne diese Posten wären es knapp 12 Prozent gewesen.
Positiv fällt dagegen der Umsatz pro Auto auf. Teilt man den Konzernumsatz durch die Auslieferungen, kommt Porsche 2026 auf rund 142.000 Euro, nach etwa 126.000 Euro im Vorjahreszeitraum. Die Rechnung ist grob, weil der Konzernumsatz auch Finanzdienstleistungen und andere Geschäfte enthält. Sie zeigt aber, dass „Value over Volume“ greift: Porsche verkauft weniger, aber generiert aber mehr Umsatz pro Fahrzeug.
Hoffnungsträger Mission S: Der neue Supersportwagen begeisterte bei der Vorstellung, kommt aber frühestens 2029.
Ist Porsche auf einem guten Weg?
Die Richtung stimmt, der Weg bleibt lang. Auf dem Capital Markets Day Anfang Oktober nannte Porsche seine Ziele für die Strategie „Sportwagenschmiede ’35“. Mittelfristig soll die operative Rendite wieder 10 bis 15 Prozent erreichen, langfristig 15 Prozent. Der Break-even soll unter 200.000 Fahrzeugen pro Jahr liegen. Dafür baut Porsche 9.000 Stellen ab, streicht rund 20 Prozent der Modellvarianten und will Entwicklungs-, Vertriebs- und Materialkosten deutlich senken.
Von diesen Zielen ist Porsche mit knapp 9 Prozent bereinigter Rendite noch ein Stück entfernt. Finanzvorstand Jochen Breckner dämpft zudem die Erwartungen: Im vierten Quartal rechnet er mit zusätzlichen Aufwendungen, die Jahresrendite soll nicht weiter steigen. Und 2027 bezeichnete er in der Telefonkonferenz mit Analysten als „Übergangsjahr“ und Talsohle des Plans. Das Ergebnis werde unter dem von 2026 liegen, unter anderem weil der Verbrenner-Macan erstmals ein ganzes Jahr fehlt.
Für Stabilität sorgen die Finanzen. Mit 8,23 Milliarden Euro Netto-Liquidität und den Erlösen aus Bugatti, Rimac und bald MHP hat Porsche genug Polster, um den Umbau ohne Not durchzuziehen. Die eigentlichen Ertragsbringer der neuen Strategie kommen aber erst später: Der elektrische 718 Boxster und Cayman, der nächsten Monat vorgestellt wird, soll 2028 sein erstes volles Produktionsjahr erleben, im selben Jahr startet ein neues kompaktes SUV mit Verbrenner und Plug-in-Hybrid. Bis dahin muss Porsche vor allem mit 911, Cayenne, Macan und Taycan Geld verdienen, und genau daran wird sich in den nächsten Quartalen ablesen lassen, wie gut der Umbau tatsächlich gelingt.
Was sagt ihr zu den Quartalszahlen? Schreibt es gerne in die Kommentare.

Porsche stellt sich neu auf: mit elektrischen Boxster- und Cayman-Modellen ab 2027, einem neuen Macan mit Verbrennungsmotor ab 2028 und einem neuen Mittelmotor-Supersportwagen.