Im Porsche 996 mit TT-Legende John McGuinness über die Isle of Man
Unglaubliche 23-mal hat John McGuinness das schnellste Motorradrennen der Welt gewonnen, die Isle of Man Tourist Trophy. Nun zeigt er im 996 seine schönsten Kurven auf der Insel ohne Tempolimit.
Seit seinem TT-Debüt im Jahr 1996 hat John McGuinness Tausende Runden auf dem Mountain Course der Isle of Man gedreht. Der Träger des britischen Verdienstordens kennt jede der rund 260 Kurven, und 23 Siege machen ihn zu einem der erfolgreichsten Fahrer und größten Kenner des legendären TT-Kurses. Doch auch auf vier Rädern zieht es den 54-Jährigen immer wieder auf die Insel, am liebsten am Steuer seines Porsche 911 Carrera 4S der Baureihe 996.
John McGuiness liebt die Kurven der Isle of Man auch am Steuer seines 996 Carrera 4S.
Seine Leidenschaft für die Isle of Man begann schon in jungen Jahren. McGuinness wuchs im nordenglischen Küstenort Morecambe auf und schwänzte gelegentlich die Schule, um mit seinem BMX heimlich die Fähre über die Irische See nach Douglas zu nehmen. Damals konnte er kaum ahnen, dass eines Tages sogar eine Kurve des 60 Kilometer langen TT-Kurses seinen Namen tragen würde.
Eine lebenslange Verbindung zur Isle of Man TT
„Schon als Kind habe ich davon geträumt, bei der Tourist Trophy zu fahren. Wie sich herausstellte, habe ich praktisch mein gesamtes Erwachsenenleben genau damit verbracht“, sagt McGuinness. „Ich fahre so oft wie möglich auf die Isle of Man. Jede Bodenwelle, jede Kuppe und jede Kurve birgt das Geheimnis einer noch schnelleren Runde und erinnert zugleich an Geschichten vergangener Rennen.“
John McGuinness beim spektakulären Isle of Man TT (Foto: Double Red/Honda)
Wenn die Straßen für den öffentlichen Verkehr freigegeben sind, gilt auf den meisten Abschnitten Tempo 48 km/h. „Im Rennen durchfahre ich dieselben Bereiche mit nahezu 306 km/h. Deshalb verspüre ich im Auto nicht das Bedürfnis nach Höchstgeschwindigkeit. Die Ideallinie zu treffen, macht aber trotzdem Spaß.“
Im Porsche 911 über den legendären TT-Kurs
Kaum hat man die Fähre in Douglas verlassen, ist man nach wenigen Minuten und ein paar Ampeln auf einer der großartigsten Straßen der Welt. McGuinness hat zu fast jedem Abschnitt eine Anekdote parat. „Sogar der Teil hinter Ago’s Leap hat seinen ganz besonderen Reiz, wenn die Straßen für den öffentlichen Verkehr geöffnet sind. Auf der linken Seite liegt der Secret Garden. Die Besitzerin Ros empfängt dort regelmäßig bekannte Gäste, die erleben möchten, wie sich 274 km/h anfühlen“, erzählt er. „Dort habe ich schon einigen Freunden die Tourist Trophy nähergebracht.“
Zu diesen Freunden zählen Porsche-Markenbotschafter Mark Webber, Motorjournalist und TV-Moderator Chris Harris sowie Automobilsammler und Kurt-Geiger-CEO Neil Clifford. „Und noch ein paar andere Porsche-Leute“, ergänzt McGuinness mit einem Lächeln.
Im Elfer wirkt derselbe Streckenabschnitt weniger spektakulär. „Mit dem Auto ist das eine schnelle Passage im dritten Gang, die man fast nebenbei durchfährt. Auf dem Motorrad geht es dort im fünften Gang bei Vollgas entlang. Und wenn ich weiß, dass ein Freund zusieht, dann auch gerne mal auf einem Rad.“
Im Porsche 996 Carrera 4S geht es John McGuinness auf der Isle of Man etwas langsamer an als auf der Rennmaschine.
Die Schlüsselstellen der Isle of Man TT
Nach hartem Anbremsen vor der Quarterbridge, einer der langsameren Kurven des Kurses, führt die Strecke vorbei am Rugby Club weiter in Richtung Braddan und anschließend über die Westseite der Insel. „Die Quarterbridge ist tückisch, weil sie die erste Stelle auf der Runde ist, an der man richtig stark bremsen und einlenken muss“, erklärt McGuinness. „Nach einem Jahr Wartezeit, mit kalten Reifen und vollem Tank, kann man dort schnell zu viel riskieren.“
Im Porsche wirkt die Stelle fast unscheinbar: ein kleiner Kreisverkehr, mit einem Schnellrestaurant gleich um die Ecke und einer Tankstelle ganz in der Nähe. „Auf dem Motorrad fährt man die Kurve im ersten Gang an, nimmt den inneren Randstein mit und beschleunigt dann auf dem Weg zur Braddan Bridge unter Volllast bis in den vierten Gang.“
Während des Isle of Man TT fährt John McGuinness auch die Ortschaften mit Vollgas. (Foto: Double Red/Honda)
Auf dem Weg nach Laurel Bank, gesäumt von sattgrünen Straßenrändern, fällt McGuinness’ Antwort auf die Frage nach der Fahrweise auf dem Motorrad denkbar knapp aus: „Vollgas im höchsten Gang.“ Im Porsche dagegen kann er die Fahrt anders genießen.
Auf der Cronk-y-Voddy-Geraden lässt McGuinness den Blick über die Landschaft schweifen. Im Rennen bleibt ihm dafür keine Zeit. „Normalerweise fahre ich hier mit Vollgas im höchsten Gang, den Blick fest auf den Horizont gerichtet und das Motorrad genau auf der Fahrbahnkrone balancierend.“
Mit 290 km/h durch McGuinness’s Corner
Hinter Handley’s, einer von Steinmauern gesäumten Kurve, trägt eine leichte Linksbiegung seit 2013 offiziell den Namen „McGuinness’s Corner“. „Es ist ein großartiges Gefühl, hier eine eigene Kurve zu haben, besonders wenn man bedenkt, wer sonst noch auf diese Weise geehrt wurde.“ Wie man die Passage perfekt nimmt? McGuinness antwortet mit einem Augenzwinkern: „Vollgas im sechsten Gang bei 290 km/h.“
Von dort führt die Strecke weiter zum Ramsey Square. Auf dem Marktplatz legt McGuinness außerhalb der Rennen gerne eine Pause ein, meist auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen im „Hutch“ oder im „Dolce Vita“. „Parkplätze findet man problemlos, und der Kuchen ist hervorragend. Außerdem verändert sich die Landschaft deutlich, sobald wir Ramsey hinter uns lassen und hinauf in die Berge fahren. Bei schlechtem Wetter kann es dort oben ziemlich rau werden.“
Tiefflug: Beim Isle of Man TT rast John McGuinness mit dem Kopf in den Kurven oft dicht an Mauern vorbei. (Foto: Double Red/Honda)
Von Ramsey hinauf in die Mountain Section
Die Rechtskurve am Gooseneck markiert den Beginn der berühmten Mountain Section, jenes Streckenabschnitts, auf dem kein generelles Tempolimit gilt. „Bei guter Sicht kann man die Straße und den Gegenverkehr kilometerweit überblicken. Einen Ort wie diesen gibt es nirgendwo sonst auf der Welt“, sagt McGuinness. „Auf dem Motorrad erreiche ich hier in einigen Abschnitten bis zu 314 km/h.“
Über Windy Corner, vorbei an Kate’s Cottage und hinunter zum legendären Creg-ny-Baa-Pub kehrt das Tempo allmählich zur Normalität zurück, die Aussicht bleibt aber außergewöhnlich. „Sobald Douglas tief unten in Sicht kommt, weiß man, dass die Runde fast geschafft ist, auch wenn noch ein paar Kilometer vor einem liegen. Dieser Ausblick ist jedes Mal etwas Besonderes.“
Im Rennen erreicht John McGuinness auf der Isle of Man 314 km/h. (Foto: Double Red/Honda)
Die lang gezogene Linkskurve von Brandish und die schnelle Rechtskurve bergauf bei Hillberry markieren das Ende der offenen Streckenabschnitte. Danach führt der Kurs wieder durch bebaute Gebiete, und das Tempo sinkt auf dem Weg zu The Nook. „Das ist der einzige Abschnitt des Kurses, der nicht das ganze Jahr über für den öffentlichen Verkehr freigegeben ist“, erklärt McGuinness. „Zwischen den Bäumen bleibt die Fahrbahn fast das ganze Jahr feucht. Man muss sich dort bewusst zurücknehmen. Eine starke Runde kann hier durch einen einzigen unnötigen Fehler verloren gehen.“
John McGuinness
John McGuinness wurde am 16. April 1972 im nordenglischen Morecambe geboren und startete 1996 zum ersten Mal bei der Tourist Trophy, damals auf einer Honda RS250R.
Seinen ersten TT-Sieg holte er 1999 in der Lightweight-Klasse der 250er, insgesamt sind es 23 geworden, mehr haben nur Joey und Michael Dunlop gewonnen.
2007 fuhr er als Erster eine Runde auf dem Mountain Course mit einem Schnitt von mehr als 130 Meilen (209 km/h), und mit sieben Siegen in der Senior TT teilt er sich den Rekord mit Mike Hailwood.
Nach einem schweren Sturz beim North West 200 im Jahr 2017, bei dem er sich unter anderem Wirbel und das rechte Bein brach, kämpfte er sich zurück und ging 2022 zum 100. Mal bei einem Rennen der TT an den Start. Die TT-Woche umfasst mehrere Rennen in verschiedenen Klassen.
Bei The Nook trifft die Strecke wieder auf die öffentliche Straße und führt über den Kreisverkehr auf die Glencrutchery Road. Die Tribünen und der Kontrollturm stehen elf Monate im Jahr weitgehend leer. Bei einem Tempolimit von 50 km/h verläuft das Leben dort normalerweise in ruhigen Bahnen.
„Aber wer in der ersten Juniwoche die Stufen zur Tribüne hinaufsteigt, erlebt etwas Außergewöhnliches“, sagt McGuinness. „Ich werde es niemals leid, auf dieser Strecke eine Runde zu drehen. Wie könnte ich auch? Für mich ist sie die großartigste Straße der Welt.“
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