Porsche: Weniger Umsatz, mehr Gewinn im 1. Halbjahr 2026
Auf den ersten Blick passen die Zahlen nicht zusammen: Porsche hat von Januar bis Juni deutlich weniger Autos ausgeliefert und weniger eingenommen, verdient aber ein Drittel mehr als im Vorjahr. Kein Widerspruch, sondern eine Mischung aus Buchhaltung, Modellmix und hartem Sparkurs.
Weniger Autos, weniger Umsatz
Der Konzernumsatz lag im ersten Halbjahr bei 17,23 Milliarden Euro, nach 18,16 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Das ist ein Minus von 5,1 Prozent. Ausgeliefert wurden 122.306 Fahrzeuge nach 146.391, also 16,5 Prozent weniger.
Interessant ist die Lücke zwischen beiden Zahlen: Die Stückzahl bricht dreimal so stark ein wie der Umsatz. Pro verkauftem Auto nimmt Porsche also deutlich mehr ein als früher. Genau das meint der Vorstand mit seiner „Value-over-Volume-Strategie“, also lieber weniger, aber teurere und besser ausgestattete Autos. Die Gründe für den Rückgang bei den Auslieferungen haben wir bereits ausführlich analysiert: Produktionsende des 718 unmit Verbrennungsmotor, ein außergewöhnlich starker Vorjahreszeitraum des Macan Electric und weggefallene Steuervergünstigungen für Elektro- und Hybridfahrzeuge in den USA.
Porsche Kennzahlen erstes Halbjahr 2026: Weniger Umsatz, mehr Gewinn.
Warum der Gewinn trotzdem steigt
Das Operative Ergebnis kletterte von 1,01 auf 1,35 Milliarden Euro, ein Plus von 33,9 Prozent. Diese Kennzahl zeigt, was im eigentlichen Autogeschäft hängen bleibt, bevor Zinsen und Steuern abgezogen werden.
Der wichtigste Grund liegt in einem Posten, den man auf der Straße nicht sieht: den Rückstellungen. Eine Rückstellung ist Geld, das ein Unternehmen für absehbare künftige Kosten reserviert, etwa für den Umbau von Werken, gestoppte Projekte oder Verträge mit Zulieferern, die nicht mehr gebraucht werden. Wichtig für das Verständnis: Gebildet wird die Rückstellung sofort und mindert den Gewinn genau in dem Jahr, in dem sie gebildet wird. Stellt sich später heraus, dass weniger Geld nötig ist, wird sie aufgelöst und erhöht dann den Gewinn, ohne dass ein einziger Euro geflossen ist.
Genau das ist passiert. Porsche beziffert die Belastungen aus laufenden Transformationsmaßnahmen auf rund 400 Millionen Euro. Gleichzeitig ermöglichten Verhandlungen mit Lieferanten die Auflösung von Rückstellungen in Höhe von rund 300 Millionen Euro, die im Vorjahr im Zuge der Anpassung der Produktstrategie gebildet worden waren. Unter dem Strich blieb eine Netto-Belastung von rund 100 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch rund 800 Millionen Euro. Diese Differenz von 700 Millionen Euro erklärt den Gewinnsprung zu einem erheblichen Teil ganz allein.
Der zweite Grund ist der Modellmix. Der 911 legte im ersten Halbjahr um 19 Prozent auf 30.534 Auslieferungen zu und war damit die einzige Baureihe im Plus. Die Zuffenhausener Baureihe gilt traditionell als besonders ertragsstark, zumal Porsche einen ausgeprägten Anteil an GTS-, Turbo- und GT-Modellen meldet. Anders gesagt: Der 911 hat das Halbjahr gerettet.
Die 911 vor allem GT-Modelle wie der GT3 (hier mit Manthey-Kit) sorgten für hohe Margen.
Rendite und Marge
Die Operative Umsatzrendite stieg auf 7,8 Prozent, nach 5,5 Prozent im Vorjahr. Das heißt: Von 100 Euro Umsatz bleiben Porsche 7,80 Euro operativer Gewinn.
Die EBITDA-Marge im Automobilbereich lag bei 18,3 Prozent nach 16,0 Prozent. EBITDA ist der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Abschreibungen sind der buchhalterische Wertverlust von Werken, Maschinen und Entwicklungskosten, die über Jahre verteilt werden. Die Kennzahl zeigt also, wie profitabel das Tagesgeschäft läuft, bevor die Altlasten vergangener Investitionen abgezogen werden. Bei einem Hersteller, der gerade Milliarden in neue Modelle und Fertigungen steckt, ist das ein aussagekräftiger Wert.
Die Kasse ist voll
Noch deutlicher fällt die Verbesserung beim Netto-Cashflow aus, also beim Geld, das tatsächlich in die Kasse geflossen ist. Er stieg im Automobilbereich von 394 Millionen auf 1,02 Milliarden Euro, die entsprechende Marge von 2,4 auf 6,7 Prozent. Zum Halbjahresende betrug die Nettoliquidität im Bereich Automobile 7,3 Milliarden Euro. Zusätzlich hat Porsche die Pensionspläne mit 250 Millionen Euro gestärkt.
Für Kunden ist das relevanter, als es klingt: Ein Hersteller mit dieser Finanzdecke kann Nischenmodelle, Sonderwunsch-Programme und teure Kleinserien auch dann finanzieren, wenn der Markt schwächelt.
Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.
Begehrte Kleinserie: Neuer 911 GT3 S/C.
Der Elektroanteil sinkt
Der Anteil rein batteriebetriebener Fahrzeuge fiel auf 19,4 Prozent, nach 23,5 Prozent im Vorjahr. Besonders anschaulich ist das beim Macan: 19.695 Auslieferungen entfielen auf die Variante mit Verbrennungsmotor, 15.620 auf die Elektroversion. Der Verbrenner-Macan, der außerhalb der EU weiter angeboten wurde, verkaufte sich also besser als das Modell, das ihn eigentlich ersetzen sollte. Produziert wurde er noch bis Ende Juli 2026.
Für das Gesamtjahr hält Porsche an einer Prognose von 24 bis 26 Prozent Elektroanteil fest. Das zweite Halbjahr müsste also deutlich elektrischer ausfallen als das erste, wobei der gerade angelaufene Cayenne Electric die entscheidende Rolle spielen dürfte.
Hier haben wir den Cayenne Turbo Electric mit 1.156 PS getestet und waren beeindruckt.
Modellerweiterung: den Porsche Cayenne Electric gibt es auch als Coupé.
Aus unserer Sicht bestätigt das Halbjahr die Kurskorrektur, die Porsche eingeleitet hat: Verbrenner und Hybride länger im Programm zu halten, sogar neue Modelle zu entwickeln und die Modellpläne entsprechend umzubauen, war nicht Zögerlichkeit, sondern schlicht die Anpassung an das, was Kunden tatsächlich bestellen. Die Zahlen zeigen, dass die ursprüngliche Elektro-Planung zu ambitioniert war. Dass Porsche das eingesteht und die Produktpalette nachschärft, ist die vernünftigere Reaktion, als an einem Fahrplan festzuhalten, den der Markt nicht mitgeht.
Das Zukunftspaket kostet Geld
Parallel zu den Halbjahreszahlen haben Vorstand und Gesamtbetriebsrat Ende Juli das sogenannte Zukunftspaket vereinbart. Kern sind eine Standortsicherung bis 2035 und kumuliert 2,1 Milliarden Euro Investitionen in Zuffenhausen und Weissach. Betriebsbedingte Kündigungen sind in diesem Zeitraum ausgeschlossen. Gleichzeitig sollen bis 2035 weitere 5.000 Stellen wegfallen, vor allem über natürliche Fluktuation, Altersteilzeit und freiwillige Aufhebungsverträge. Die Belegschaft verzichtet unter anderem auf Teile künftiger Tariferhöhungen und auf einen erheblichen Teil des Weihnachtsgeldes, erhält im Gegenzug im August 2026 eine einmalige Transformationsprämie von 1.500 Euro.
Für die Bilanz heißt das: Es kommen noch weitere Umbaukosten. Finanzvorstand Jochen Breckner rechnet für das zweite Halbjahr 2026 mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Rekalibrierungskosten und erwartet, dass 2027 voraussichtlich ebenfalls ein dreistelliger Millionenbetrag anfällt. Auch der Vorstand selbst wird verschlankt, von acht auf sieben Ressorts. Das Ressort Car-IT wurde zum 1. Juli 2026 aufgelöst und in die Forschung und Entwicklung integriert.
CEO Michael Leiters und Finanzvorstand Jochen Breckner sehen Porsche auf Kurs.
Prognose bestätigt, Details im Oktober
Trotz des schwierigen Umfelds hält Porsche an der Jahresprognose fest: 35 bis 36 Milliarden Euro Umsatz, eine operative Umsatzrendite von 5,5 bis 7,5 Prozent, eine EBITDA-Marge Automobile von 15 bis 17 Prozent, eine Netto-Cashflow-Marge von 3 bis 5 Prozent und ein Elektroanteil von 24 bis 26 Prozent. Die neue Strategie mit dem Namen „Sportwagenschmiede 35“ will Vorstandschef Michael Leiters am 7. Oktober auf dem Capital Markets Day im Detail vorstellen.
Fazit
Das erste Halbjahr 2026 ist kein Aufschwung, sondern ein sauber gemanagter Rückzug auf profitables Terrain. Der Umsatzrückgang ist real, der Gewinnsprung dagegen zu einem großen Teil dem Wegfall der hohen Sonderbelastungen des Vorjahres geschuldet. Was operativ wirklich trägt, ist der 911, und was strukturell noch bevorsteht, steht in der Rechnung für das Zukunftspaket, das erst ab dem zweiten Halbjahr sichtbar wird.
Für Porsche-Fahrer sind zwei Botschaften wichtig. Erstens: Die Zuffenhausener Baureihe ist nicht nur emotional, sondern auch wirtschaftlich das Rückgrat des Unternehmens, und die Standortsicherung bis 2035 schreibt fest, dass die zweitürigen Sportwagen dort weiter gebaut werden. Zweitens: Wer auf einen Verbrenner im Portfolio hofft, bekommt durch die Zahlen Rückendeckung. Der Markt hat entschieden, und Porsche hat zugehört.
Was sagt ihr zu den Zahlen? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Porsche verkauft im ersten Halbjahr 16 Prozent weniger Autos. Das betraf alle Märkte, China schrumpft aber besonders stark. Einziger Lichtblick: Die Sportwagenikone 911 ist so gefragt wie lange nicht.