Porsche 911 GT4 R: Ein Elfer für die GT4-Klasse
Bisher war die GT4-Kategorie bei Porsche fest in der Hand des Mittelmotor-Cayman. Damit ist jetzt Schluss: Mit dem neuen 911 GT4 R bringt Porsche Motorsport erstmals die Plattform des Elfers in den weltweiten GT4-Kundensport. Der Rennwagen wurde am 25. Juni vorgestellt, sein Einsatz beginnt zur Saison 2027.
Kundensport-Fahrzeuge für die GT4-Klasse baute Porsche seit 2016 ausschließlich auf Basis des 718 Cayman. Dessen Produktion ist nun allerdings eingestellt worden. Der neue 911 GT4 R nutzt die technische Basis der aktuellen Cup-Version, die wiederum auf dem straßenzugelassenen 911 GT3 der Generation 992.2 aufbaut.
Gegenüber den bisherigen Clubsport-Modellen auf Cayman-Basis bringt der Elfer laut Porsche ein leistungsstärkeres Triebwerk, größere Spurweiten und eine weiterentwickelte Motorsport-Elektronik mit. Das soll vor allem Rundenzeit, Fahrbarkeit und Standfestigkeit verbessern.
„Mit dem neuen Rennwagen auf Basis des Porsche 911 GT3 heben wir unser erfolgreiches GT4-Programm auf ein neues Niveau. Die Kombination aus ikonischer 911-DNA und bewährtem GT4-Konzept schafft ein einzigartiges Angebot im Markt“, sagt Thomas Laudenbach, Leiter Porsche Motorsport.
Motor und Getriebe aus dem 911 Cup
Im Heck arbeitet der hochdrehende 4,0-Liter-Sechszylinder-Boxer, der auf dem Aggregat des 911 GT3 basiert. In der Rennversion leistet er bis zu 520 PS und stellt bis zu 470 Newtonmeter bereit.
Wie in der GT4-Klasse üblich, hängt die tatsächliche Leistung von der Balance of Performance (BoP) ab. Werksseitig liefert Porsche den Wagen bereits mit Luftmengen-Restriktoren von 53,7 Millimetern aus, die die Leistung auf 430 PS begrenzen. Die Kraft überträgt ein sequenzielles Sechsgang-Klauengetriebe mit Schaltwippen am Lenkrad und einer Vierscheiben-Rennkupplung.
Beim Fahrwerk geht der GT4 R reglementbedingt eigene Wege: Die Räder fallen jeweils einen Zoll schmaler aus als beim Cup und werden über eine seriennahe Fünf-Loch-Anbindung befestigt. Zweifach einstellbare Dämpfer und drei wählbare Federraten erlauben die Feinabstimmung.
Der Porsche 911 GT4 R besitzt einen deutlich kleineren Heckflügel als der GT3 Cup, auf dem er basiert.
Naturfasern im Cockpit
Der 911 GT4 R übernimmt wesentliche Karosseriestrukturen des 911 Cup samt dessen aerodynamischer Auslegung. Der Heckflügel lässt sich manuell in elf Positionen verstellen.
Ein besonderes Merkmal ist der verstärkte Einsatz von naturfaserverstärktem Kunststoff in Kombination mit Epoxidharz. Türen, Motorabdeckung, Aerodynamikkomponenten und Teile des Cockpits bestehen aus diesem Material. Im Innenraum informiert ein 10,3-Zoll-Farbdisplay, dazu kommen ein Datenlogger und ein GPS-System für die Analyse. Über Ballast-Komponenten lässt sich der Wagen an die von der BoP vorgegebene Gewichtseinstufung anpassen. Mit 1.515 kg wiegt er aber ohnehin schon deutlich mehr als sein 1.330 kg schwerer Vorgänger Cayman GT4 RS Clubsport.
Porsche 911 GT4 R Cockpit: Lenkrad wie in den großen Klassen.
Der Aufstieg hat seinen Preis
Die neue 911-Basis schlägt sich deutlich im Preis nieder. Der 911 GT4 R kostet 265.000 Euro. Der bisherige 718 Cayman GT4 RS Clubsport lag mit 196.000 Euro spürbar darunter. Beide Preise verstehen sich ohne Mehrwertsteuer.
Das ist ein Aufschlag von rund 108.000 Euro. Wer künftig mit einem Porsche in der GT4-Klasse antreten will, muss also deutlich tiefer in die Tasche greifen.
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GT4 als globale Wachstumsklasse
Die GT4-Kategorie entstand Mitte der 2000er-Jahre und verbindet seriennahe Technik mit vergleichsweise moderaten Einsatzkosten. Sie gilt als wichtige Einstiegsklasse unterhalb des GT3-Sports und als Sprungbrett für Nachwuchsfahrer, etwa in Serien wie der ADAC GT4 Germany oder der GT4 European Series.
Porsche zählt in diesem Umfeld zu den erfolgreichsten Marken. Im internationalen Manufacturer Ranking der SRO-Organisation steht Porsche derzeit auf Rang drei. Seit dem Einstieg 2016 hat Porsche nach eigenen Angaben mehr als 1.500 GT4-Rennfahrzeuge auf Cayman-Basis gebaut.
Von vorn sieht der 911 GT4 R aus wie sein großer Bruder 911 Cup.
Fazit
Mit dem 911 GT4 R überträgt Porsche zum ersten Mal die Elfer-Plattform in die GT4-Klasse und rückt damit ein Stück näher an den GT3-Spitzensport heran. Technisch profitiert der Wagen von der Cup-Entwicklung, vom hochdrehenden Boxer bis zur seriennahen Radanbindung. Der Preissprung auf 265.000 Euro zeigt aber auch, dass der Elfer im Kundensport sein Premium behält.
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