Porsche 911 Carrera 2.7 MFI: der RS im Anzug der G-Serie

Er trug Sicherheitsstoßstangen und einen modernisierten Innenraum, doch unter der Haube arbeitete das Herz des legendären Carrera RS. Der 1974 bis 1976 gebaute 911 Carrera 2.7 MFI war der letzte Serien-Porsche mit mechanischer Einspritzpumpe und gehört zu den seltensten Elfern seiner Ära. Neben dem Entenbürzel konnte er mit Whaletale, oder ganz ohne Spoiler geordert werden. Lange stand er im Schatten seines berühmten Vorgängers. Zu Unrecht.

Als die Produktion des 911 Carrera RS 2.7 endete, wollte Porsche dessen Charakter nicht aufgeben. Mit dem Start der G-Serie im Herbst 1973 übernahm der neue 911 Carrera die Rolle des Topmodells. Für Europa und die übrigen Exportmärkte außerhalb Nordamerikas erhielt er exakt den Motor des RS: den 2,7-Liter-Sechszylinder-Boxer vom Typ 911/83 mit 210 PS.

Hier haben wir die Geschichte des Carrera RS 2.7 und des Entenbürzels nachgezeichnet.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 Touring 1973

Der berühmte Vorgänger des Carrera MFI: Porsche 911 Carrera RS 2.7.

Damit setzte der Carrera 2.7 MFI die Linie des RS direkt fort. Er war keine entschärfte Variante, sondern ein RS mit neuer Karosserie. Zeitgenössischen Angaben zufolge wog er mit 1.075 Kilogramm genauso viel wie der RS Touring.

An der Leistungsspitze des Modellprogramms stand er allerdings nicht lange. 1974 erschien der 911 Turbo mit 260 PS und übernahm diese Rolle.

Hier schauen wir uns den 911 Turbo 3.3 von 1978 im Detail an.

Porsche 911 Carrera 2.7 MFI

Der Porsche Carrera 2.7 MFI war 1973 der schnellste 911.

Neue Karosserie mit Faltenbalg

Den sichtbarsten Unterschied zum RS lieferten die neuen Stoßstangen mit ihren markanten Faltenbälgen an den Ecken. Porsche führte sie ein, weil neue Vorschriften in den USA verlangten, dass ein Aufprall mit rund 8 km/h keine Schäden an Stoßstange und Karosserie hinterlassen durfte. Ein Designteam um Anatole Lapine entwickelte die G-Serie nach diesen Vorgaben.

Hinzu kamen eine geänderte Beleuchtung, ein durchgehendes rotes Leuchtenband am Heck und flachere hintere Kotflügel. Viele Chromteile wie Türgriffe und Scheibenrahmen lackierte Porsche nun schwarz, gegen Aufpreis gab es sie weiterhin in Chrom. Die geschmiedeten Fuchsfelgen in 6 und 7 x 15 Zoll blieben erhalten.

Auch der Innenraum wurde neu gestaltet. Serienmäßige Kopfstützen gehörten ebenso dazu wie Optionen, etwa elektrische Fensterheber und hintere Ausstellfenster. Das Porsche-Magazin Christophorus fasste den Wandel damals so zusammen: „Im Modelljahr 1974 wird der Carrera vornehmer und komfortabler, ohne an Spitzenleistung einbüßen zu müssen.“

Der Innenraum des Carrera 2.7 MFI: typisch G-Modell.

Entenbürzel oder Whale Tail

Beim Heck hatten Käufer die Wahl. Im ersten Modelljahr bot Porsche den Carrera 2.7 MFI mit dem berühmten Entenbürzel des RS oder ganz ohne Spoiler an. In den folgenden Jahren kam der größere Heckspoiler hinzu, den Fans „Whale Tail“ oder „Walflosse“ nennen. Der Carrera 2.7 MFI gehörte damit zu den ersten Serienmodellen, die mit diesem markanten Spoiler erhältlich waren. Alternativ blieb er auch ohne Flügel lieferbar.

Der von RM Sotheby’s versteigerte Carrera kommt mit Walflosse und Entenbürzel.

Die Einspritzpumpe als Herzstück

Seinen besonderen Charakter verdankte der Carrera 2.7 MFI der mechanischen Saugrohreinspritzung von Bosch, auf Englisch Mechanical Fuel Injection, kurz MFI. Eine vom Motor angetriebene Einspritzpumpe dosiert den Kraftstoff dabei für jeden Zylinder einzeln. Das System reagiert unmittelbar auf jeden Gasbefehl, klingt rau und vermittelt ein ungefiltertes Fahrgefühl.

Die K-Jetronic, die ab dem Carrera 3.0 folgte, arbeitete zwar ebenfalls mechanisch, spritzte aber kontinuierlich ein und ohne Einspritzpumpe. Mit ihr ließen sich die strengeren Abgasnormen erfüllen, im Ansprechverhalten wirkte sie aber deutlich glatter.

Der Boxermotor leistete 210 PS und stellte sein maximales Drehmoment von 255 Nm bei 5.100/min bereit. Nach zeitgenössischen Angaben beschleunigte der Carrera 2.7 in 6,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreichte 240 km/h Spitze. Die britische Zeitschrift Motor maß im Dezember 1974 für den Sprint von 0 auf 60 mph sogar 5,5 Sekunden. Damit zählte der Carrera zu den schnellsten Serienautos seiner Zeit.

Porsche 911 Carrera 2.7 MFI Motor

Porsche 911 Carrera: Der 2.7-MFI-Motor mit mechanischer Einspritzung von Bosch.

Verbotene Frucht für Amerika

In Nordamerika kam der Carrera 2.7 MFI nie offiziell auf den Markt. Die strengen US-Abgasvorschriften verlangten Motoren mit der weniger scharfen K-Jetronic, die viel vom Charakter des 2,7-Liters kosteten. Die echten MFI-Fahrzeuge blieben Käufern in Europa und anderen Exportmärkten vorbehalten. Diese Exklusivität nährt den Mythos des Modells bei Sammlern bis heute.

Porsche 911 Carrera 2.7 MFI Seite

Den 911 Carrera 2.7 MFI durfte Porsche nicht in die USA verkaufen.

Selten von Anfang an

Porsche baute den Carrera 2.7 MFI in kleinen Stückzahlen. Von 1974 bis 1976 entstanden 1.633 Coupés, fast genauso viele wie vom Carrera RS 2.7:

  • 1974: 1.011 Coupés

  • 1975: 509 Coupés

  • 1976: 113 Coupés

Hinzu kamen von 1974 bis 1976 insgesamt 631 Targa.

Den 911 Carrera 2.7 MFI gab es sogar als Targa.

Den 911 Carrera 2.7 MFI gab es sogar als Targa.

Die 113 Coupés des Jahrgangs 1976 haben eine eigene Geschichte. Offiziell ersetzte Porsche den Carrera 2.7 zum Modelljahr 1976 durch den Carrera 3.0, weil der scharfe 2,7-Liter neue Abgasnormen nicht erfüllen konnte. Trotzdem entstand eine kleine Serie als Sondermodell, ausschließlich für den deutschen Markt und bereits mit feuerverzinkter Karosserie.

Das Ende einer Ära

Mit dem Carrera 2.7 MFI von 1976 endete bei Porsche die Ära der mechanischen Einspritzpumpe auf der Straße. Er war der letzte Serienwagen der Marke mit dieser Technik. Danach lebte sie nur noch im Motorsport weiter, etwa in den Rennwagen vom Typ 935.

Gerade deshalb schlägt der Carrera 2.7 MFI eine Brücke zwischen zwei Epochen. Er verbindet die Ursprünglichkeit des RS mit den komfortableren Carrera-Modellen, die folgten. Wer ihn fährt, erlebt Porsche leicht, direkt und mechanisch, wie es nur wenige Autos vor oder nach ihm vermittelten.

Porsche 911 Carrera 2.7 MFI: Das Ende einer Ära.

Porsche 911 Carrera 2.7 MFI: Das Ende einer Ära.

Ein Carrera 2.7 MFI in Lachsdiamant Metallic

Ein besonders schönes Exemplar kommt am 20. November 2026 in München bei RM Sotheby's unter den Hammer. Das Coupé ist laut Auktionshaus eines von 509 Exemplaren des Modelljahrs 1975 und trägt die werkskorrekte Farbkombination Lachsdiamant Metallic mit schwarzem Kunstleder.

Laut dem Porsche-Echtheitszertifikat lieferte Hahn Automobile in Fellbach den Wagen im Februar 1975 aus. Das Dokument bestätigt neben der Farbe auch die Werksoptionen: getönte Scheiben, Antenne, Lautsprecher im Armaturenbrett, zwei hintere Lautsprecher, Fünfganggetriebe und schwarzen Dachhimmel.

1981 kam der Elfer nach Portugal. 2012 ließ ein späterer Besitzer ihn dort von einem renommierten Markenspezialisten umfassend aufarbeiten. Der Wagen wurde vollständig zerlegt, weiß lackiert und erhielt eine neue Lederausstattung in werkskorrektem Schwarz. Der nächste Eigentümer kehrte zum Originalfarbton zurück und ließ ihn wieder in Lachsdiamant Metallic lackieren.

Heute zeigt sich das Coupé laut RM Sotheby's in hervorragendem Zustand, mit Whale Tail und Matching-Numbers-Motor vom Typ 911/83. Zuletzt erhielt es neue Reifen und eine Überholung der Getriebesynchronisierung. Zum Fahrzeug gehören Rechnungen zu Restaurierung und Pflege, eine Kopie des Porsche-Zertifikats, die Zulassungsdokumente und ein zusätzlicher, farblich passender Entenbürzel, wie ihn Porsche beim Jahrgang 1974 anbot.

RM Sotheby's schätzt den Wert auf 120.000 bis 160.000 Euro.

Zum Fahrzeug bei RM Sotheby's



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