Goodwood Festival of Speed 2026: Porsche, Singer und ein RUF 8-Zylinder-Boxer
In Goodwood verdichtet sich die ganze Automobilwelt an einem Wochenende. Im Süden Englands feierte Porsche 75 Jahre in Großbritannien. Singer eröffnete das Festival als zentrale Marke, und RUF enthüllte einen 8-Zylinder-Boxer. Wir haben den Auftritt für euch sortiert.
75 Jahre Porsche in Großbritannien
Der historische Ankerpunkt des Porsche-Auftritts war eine Sonderedition, die weit zurückgreift. Der 911 GT3 Earls Court 51 Edition erinnert an die ersten Porsche, die 1951 auf der Earls Court Motor Show in London gezeigt wurden. Als Basis dient laut Porsche der 911 GT3 mit Touring-Paket, entwickelt gemeinsam mit der Porsche Exclusive Manufaktur.
Das Besondere steckt im Detail: eine eigens aufgelegte Außenfarbe namens Earlscourtgreenmetallic sowie Leder- und Corddetails im Innenraum, deren Gestaltung sich an den frühen 356 Coupés orientiert. Ein Auto, das die eigene Geschichte trägt, ohne museal zu wirken.
Hier stellen wir den GT3 Earl Court im Detail vor.
Passend dazu stellte Porsche Cars GB einen frisch restaurierten 356 aus dem Jahr 1951 daneben, der in Sammlerkreisen als „ex-Betty Haig" bekannt ist. Auch dieser Wagen entstand mit der Sonderwunsch-Abteilung und übernimmt Gestaltungselemente der Earls-Court-Edition, bis hin zur grünen Lackierung. Zwei Fahrzeuge, 75 Jahre auseinander, die dieselbe Sprache sprechen.
Der 911 GT3 Earls Court 51 Edition erinnert an den ersten Porsche vor 75 Jahren in Großbritannien.
Ein Hauch Hollywood: Porsche trifft Pixar
Für den größten Menschenauflauf am Stand sorgte eine ungewöhnliche Kooperation. Anlässlich des Kinostarts von Toy Story 5 hat Porsche drei Figuren des Films in Einzelstücke übersetzt, gebaut in der Sonderwunsch-Abteilung.
Der Weltraumheld Buzz Lightyear wurde zum 911 GT3 RS, die Cowgirl-Figur Jessie zum 911 Targa 4 GTS und der Cowboy Woody zum 911 Carrera T. Jedes Fahrzeug greift charakteristische Farben und Materialien seiner Vorlage auf.
Die drei Unikate bleiben nicht in der Vitrine: Sie sollen in den USA im Rahmen einer Wohltätigkeitsaktion versteigert werden. Die Erlöse gehen nach Angaben von Porsche an Big Brothers Big Sisters of America, das American Red Cross und die Starlight Children's Foundation.
Hier schauen wir uns die Toy-Story-911 genau an.
Publikumsmagnet: Die drei Porsche 911 für Toy Story.
Individualität nach Maß
Wie weit die Personalisierung bei Porsche reicht, zeigte ein weiteres Einzelstück. Der Taycan Turbo S Soho House One entstand gemeinsam mit dem Members-Club Soho House und trägt eine seidenmatte grüne Lackierung, deren Ton auf die Fassade des Clubhauses in der Londoner Greek Street abgestimmt ist.
Im Innenraum treffen ausgewählte Stoffe auf Maserholz und Leder in Trüffelbraun. Ein Auto als Verlängerung einer Adresse, das ist Sonderwunsch in Reinform.
Hier findet ihr die 911-Sondermodelle mit dem höchsten Wertzuwachs.
Bar im Kofferraum: Taycan Turbo S Soho House One
Premieren am Goodwood Hill
Während am Stand die Unikate glänzten, ging es auf der Bergauffahrt zur Sache. Der neue 911 GT3 Cup feierte in Goodwood Premiere, bevor er ab 2027 in der Porsche Carrera Cup GB antritt. Am Steuer saß Nachwuchsfahrer Callum Voisin, ganz in der Tradition, junge Talente auf den legendären Kurs zu schicken.
Auch in den Läufen für Supersportwagen und Neuvorstellungen setzte Porsche Akzente. Der 911 GT3 S/C absolvierte seinen ersten Auftritt, dazu kam ein 911 GT3 mit Manthey Kit, der konsequent auf Rundstreckentempo getrimmt ist.
Der Porsche 911 GT3 S/C feierte in Goodwood seine Publikumspremiere.
Elektrisch war ebenfalls Prominenz vertreten: Der Taycan Turbo GT mit Manthey Kit zeigte sich nach seinem Rekord auf der Nürburgring-Nordschleife erstmals dem Goodwood-Publikum. Und das Cayenne Turbo Coupé Electric gab einen Ausblick darauf, wohin die Reise bei den elektrischen Hochleistungs-SUV geht.
Hier haben wir den Cayenne Turbo Electric getestet.
Abseits der Strecke feierte der Porsche Club GB sein 65-jähriges Bestehen, und im Clubhaus würdigten ausgewählte Exponate aus dem Museum 75 Jahre Porsche Motorsport.
Singer eröffnet das Festival
Eine besondere Ehre wurde in diesem Jahr Singer zuteil: Die kalifornische Firma war die zentrale Marke des Festivals. Elf Fahrzeuge, die Singer für ihre Besitzer aufgebaut hat, bildeten den Kern des Auftritts.
Im Mittelpunkt stand wie jedes Jahr eine Skulptur des Künstlers Gerry Judah auf dem Rasen vor Goodwood House. Darauf montiert: drei von Singer neu interpretierte luftgekühlte 911, die für die Restaurationsprogramme Classic, Classic Turbo und DLS stehen. Einmal täglich versammelten sich weitere Fahrzeuge unter der Skulptur, darunter auch Autos aus Privatbesitz.
Singer war 2026 Headliner beim Goodwood Festival of Speed. (Foto: PA Media)
Am eigenen Stand vor dem Stable Yard zeigte Singer fünf weitere Wagen, die die Entwicklung der Firma nachzeichnen. An der Spitze stand der erste Slantnose, also ein Flachbau-911 von Singer, der hier seine öffentliche Premiere feierte. Drei zusätzliche Fahrzeuge fuhren über alle vier Tage die Bergwertung hinauf.
Firmengründer Rob Dickinson ordnete den Auftritt persönlich ein. Er erklärte, Singer sei bei Goodwood praktisch groß geworden, der Ort sei zu einer zweiten Heimat geworden, und er dankte dem Duke of Richmond für die erste Einladung im Jahr 2015. Es sei bereits das elfte Festival of Speed für die Firma. Jedes restaurierte Auto, so Dickinson, spiegele die Arbeit der Teams in Kalifornien und Großbritannien wider.
Singer zeigte in Goodwood verschiedene Modelle.
Zur Einordnung: Singer wurde 2009 in Kalifornien gegründet und hat sich auf die maßgeschneiderte Neuinterpretation luftgekühlter 911 spezialisiert, stets in enger Abstimmung mit den Besitzern.
RUF und der erste Boxer-Achtzylinder
Für die technische Sensation des Wochenendes sorgte allerdings RUF. Der Hersteller aus Pfaffenhausen präsentierte in Goodwood die Weltpremiere seines ersten Achtzylinder-Boxermotors, ein Aggregat, das es in dieser Form bislang bei keinem Hersteller gab.
Der intern schlicht „Erprober“ genannte Motor trägt die Bezeichnung Boxer 8, kurz B8. RUF nennt einen Hubraum von 4,8 Litern, zwei Turbolader, eine Leistung von über 1.000 PS und ein Drehmoment von 1.000 Nm.
RUF zeigt den ersten 8-Zylinder-Boxer.
Untergebracht ist der Motor in einem Testträger auf Basis des CTR3, dessen Karosserie um zehn Zentimeter verlängert wurde, um Platz für den Achtzylinder zu schaffen. Die Kraft wird über ein manuelles RUF-Sechsganggetriebe übertragen. Am Berg lief der B8 an allen drei Tagen zweimal täglich im Supercar Run, moderiert von Rennfahrer Tanner Foust.
Die auffällige Lackierung entstand gemeinsam mit Aloisa Ruf und OPTIMA Batteries und zitiert das „Blossom Yellow“ des legendären CTR Yellowbird. Firmenchef Alois Ruf bezeichnete den Boxer-8 als einen jener Momente, die die Zukunft eines Unternehmens prägen, und sprach davon, ein neues Kapitel der Automobilgeschichte aufzuschlagen.
Wichtig zur Einordnung: Der B8 ist kein Serienmodell, sondern ein Entwicklungsträger. RUF versteht ihn als Vorgeschmack auf ein künftiges Modell, verrät zum Zeitplan aber noch nichts.
Fazit
Goodwood 2026 hat gezeigt, warum die Faszination Porsche so viele Facetten hat. Da ist die offizielle Marke, die ihr britisches Jubiläum mit einer klugen Mischung aus 356-Historie, Pixar-Popkultur und GT-Rennsport feiert. Da ist Singer, die den luftgekühlten Elfer zum Kunstobjekt erhebt und dafür die Ehrenbühne des Festivals bekam. Und da ist RUF, die mit einem Achtzylinder-Boxer beweist, dass die spannendsten Ideen manchmal am Rand der offiziellen Modellpolitik entstehen.
Wer den 911 liebt, fand in diesem Jahr in Goodwood viele Gründe, ins Schwärmen zu geraten. Und mit dem RUF B8 vielleicht einen völlig neuen, der uns noch länger beschäftigen wird.
Wie gefällt euch der Event? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Das Petro-Surf Festival bringt kalifornische Beach-Vibes und luftgekühlte Porsche auf Sylt zusammen. Es geht um Autos, vor allem aber um die Menschen und den Austausch.