RWB Porsche 911 „Hideyoshi“: Samurai der Straße
Ein Mexico Blue lackierter 993 mit Widebody-Kit von Akira Nakai, Kunstwerk eines japanischen Streetart-Künstlers auf den Türen und dem Namen eines legendären Samurai: Der Porsche 911 „Hideyoshi“ von Rauh-Welt Begriff ist kein gewöhnlicher Elfer.
Wer sich in der Porsche-Szene bewegt, kommt an einem Namen nicht vorbei: Akira Nakai. Der ehemalige Driftrennfahrer aus Chiba-Ken, Japan, gründete „Rauh-Welt Begriff“, deutsch für „Rough World Concept", kurz RWB, und hat damit eine der markantesten Tuning-Philosophien der Welt geschaffen. Sein Konzept: handgefertigte Widebody-Umbauten für klassische Porsche 911, bei denen er persönlich an jedem einzelnen Fahrzeug arbeitet.
Ausgestellte vernietete Radläufe, mächtige Heckflügel, tiefe Fahrzeughöhe und breite Reifen: Die gestalterische DNA eines RWB-Porsches ist auf den ersten Blick erkennbar. Nakai reist dafür um die ganze Welt, denn jeden RWB-Umbau übernimmt der Meister selbst. In wenigen Tagen verwandelt er einen klassischen Elfer in ein kompromissloses Statement zwischen Motorsport-Ästhetik und japanischer Straßenkultur. Seine Case Studies umfassen dabei 911-Modelle über mehrere Generationen hinweg: vom 930 über den 964 bis zum 993.
Martialisch: Der RWB 911 „Hideyoshi“ mit breiten Backen, wildem Flügel und tiefer Schnauze.
Vom Stuttgarter Werk nach Dubai
Die Geschichte dieses besonderen Exemplars beginnt am 19. Januar 1995 im Porsche-Werk Stuttgart-Zuffenhausen. Als Carrera Coupé mit dem bewährten 3,6-Liter-Sechszylinder-Boxermotor und Sechsgang-Schaltgetriebe verlässt der Wagen in Iris Blue Metallic über grau-blauem Lederinterieur die Produktionslinie. Sein erster Bestimmungsort: Puerto Rico.
Über mehrere Besitzerwechsel in den USA (Ohio, Florida, Maryland) gelangt der 993 schließlich 2016 in die Hände eines Sammlers in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Von Los Angeles aus wird der Wagen nach Dubai verschifft. Was dort folgt, ist eine vollständige Transformation.
Boss-Transformation: Aus dem Porsche 993 Carrera wurde der muskulöse RWB 911 „Hideyoshi“.
Die Verwandlung
In Dubai wird der 911 bis auf die nackte Karosserie zurückgebaut und in Mexico Blue neu lackiert, ein Farbton, der dem Wagen eine völlig neue Persönlichkeit verleiht. Die Dokumentation dieses aufwendigen Prozesses ist durch Fotos und Video lückenlos festgehalten.
Ende 2016 reist Akira Nakai persönlich nach Dubai. Im Rahmen eines Dreifach-Projekts baut er drei Fahrzeuge um, jedes in nur zwei Tagen. Dieser 911 erhält den Namen „Hideyoshi“, benannt nach dem berühmten japanischen Feldherrn Toyotomi Hideyoshi aus dem 16. Jahrhundert, der es vom einfachen Bauern zum Reichseiniger Japans brachte. Nach dem Widebody-Umbau wird ein neues Interieur in schwarzem Leder und Alcantara eingebaut.
Der RWB 911 von Rauh-Welt Begriff mit extremen Widebody-Umbau.
Ein Kunstwerk auf Rädern
Doch die Geschichte von „Hideyoshi“ ist damit noch nicht zu Ende. Am 17. Juni 2021 erhält der Wagen ein weiteres, einzigartiges Detail: Der japanische Streetart-Künstler Roamcouch bemalt Türen und Schweller mit einem individuellen Motiv. Es ist das erste und einzige Fahrzeug, das Roamcouch jemals gestaltet hat, ein absolutes Unikat.
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Die Seite des RWB Porsche 911 „Hideyoshi“ ziert ein Bild des japanischen Streetart-Künstler Roamcouch.
Was ist RWB?
Für Porsche-Fans sind RWB-Umbauten ein Reizthema. Die einen sehen darin eine Entweihung des Originals, die anderen eine konsequente Weiterentwicklung der Porsche-Philosophie. Fakt ist: Nakai hat mit RWB eine globale Bewegung geschaffen, die den Porsche 911 in einen neuen kulturellen Kontext stellt: an der Schnittstelle zwischen deutschem Ingenieursgeist und japanischer Straßenkultur.
Jeder RWB-Porsche ist ein Einzelstück. Nakai arbeitet ohne CAD-Daten oder Schablonen, jede Linie wird von Hand angepasst. Diese Arbeitsweise erklärt auch, warum jeder RWB-Umbau trotz erkennbarer Familienähnlichkeit seine eigene Persönlichkeit besitzt.
Innenraum des Porsche 911 RWB „Hideyoshi“ von Rauh-Welt Begriff: Alcantara und Schaltwegverkürzung.
Der Preis der Individualität
Bei RM Sotheby's in Dubai wurde der „Hideyoshi“ 2024 für 120.750 US-Dollar versteigert, ein Preis, der angesichts des Gesamtpakets aus 993-Basis, RWB-Umbau von Nakai persönlich, einzigartigem Roamcouch-Kunstwerk und makelloser Dokumentation sehr fair erscheint. Allein der RWB-Umbau mit Bodykit, Federung und Rädern liegt bei rund 50.000 Euro.
In einer Zeit, in der die Porsche-Welt zunehmend nach Individualität und Persönlichkeit sucht, steht der RWB „Hideyoshi“ für genau das: ein 911, der sich traut, anders zu sein. Ob man das liebt oder ablehnt, ist am Ende Geschmackssache. Dass es fasziniert, steht außer Frage.
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