Als die Zürcher Polizei im 356 Cabriolet auf Streife ging
Die Kantonspolizei Zürich fuhr in den Fünfziger- und Sechzigerjahren Porsche 356 Cabriolets und später den 911. Nachvollziehen lässt sich das heute kaum noch: Die Akten sind vernichtet, die damaligen Fahrer nicht mehr auffindbar. Geblieben sind Fotos aus dem Archiv, die die schnellen Streifenwagen im Einsatz zeigen.
Teure 356
Was an den Polizei-Porsche bemerkenswert ist: Ein VW Käfer kostete damals knapp 4.000 Franken, ein 356 Cabriolet mehr als 15.000 Franken. Ein durchschnittlicher Arbeiter verdiente Mitte des vergangenen Jahrhunderts rund 9.000 Franken im Jahr.
Die Polizei kaufte also Streifenwagen, die mehr kosteten als das, was ein Arbeiter in anderthalb Jahren verdiente. In der Flotte standen daneben VW Käfer und Bulli, Mercedes-Benz Ponton und Peugeot 403.
Warum die Entscheidung so fiel, lässt sich heute nicht mehr klären. Die Akten sind längst vernichtet und die Zeitzeugen nicht mehr auffindbar.
Die Flotte der Polizei Zürich mit vier Porsche 356 Cabriolet. Das Bild entstand zwischen 1963 und 1965.
Warum ein Cabriolet
Die naheliegendste Erklärung liegt in der Praxis des Dienstes.
Das offene Verdeck erleichterte dem Beifahrer die Verständigung mit anderen Verkehrsteilnehmern. Leuchtende Anzeigetafeln, wie sie heute an jedem Streifenwagen sitzen, gab es damals nicht.
Und es ging noch weiter: Bei Bedarf konnten sich die Beamten auf den Sitz stellen. Von dort hatten sie einen deutlich besseren Überblick, etwa um den Verkehr zu regeln.
Dazu kamen Wendigkeit, Zuverlässigkeit und das sportliche Fahrverhalten.
Auch die niederländische Polizei nutzte aus diesem Grund offene Porsche.
Ein Beamter der Kantonspolizei Zürich im Porsche 356 Cabrio auf Streife.
Der Wechsel zum 911
Offenbar bewährten sich die Sportwagen im Dienst. Als Porsche 1963 den Nachfolger des 356 vorstellte, zunächst als 901 und kurz darauf umbenannt in 911, machte die Kantonspolizei den Wandel mit. Neben dem 911 kam auch das Schwestermodell 912 mit Vierzylindermotor zum Einsatz.
Ein Argument wird dabei selten genannt, war für den Polizeidienst aber entscheidend: der Heckmotor. Bei schlechter Witterung und erst recht bei Schnee kam ein Fahrzeug mit Gewicht über der angetriebenen Achse deutlich besser voran als die damals übliche Bauweise mit Frontmotor und Hinterradantrieb. Personenwagen mit Allradantrieb gab es zu dieser Zeit noch nicht.
Was heute als Eigenart des 911 gilt und Generationen von Fahrern Respekt abverlangt hat, war für die Zürcher Polizei ein handfester Vorteil.
Die Zürcher Polizei stieg Mitte der 1960er Jahre auf Porsche 911 und 912 um.
Schnelligkeit für die Autobahn
Mindestens ebenso wichtig war eine Veränderung im Straßennetz. Im Mai 1966 öffnete das Teilstück der Autobahn A3 zwischen Wollishofen und Richterswil.
Mit der neuen Autobahn stiegen die Anforderungen an die Einsatzfahrzeuge. Wer auf einer Autobahn Verkehrssünder stellen will, braucht Fahrzeuge, die mithalten können. Das ist eine Aufgabe, die dem 911 lag.
Ein weiteres Bild aus dem Archiv, vermutlich 1967 aufgenommen auf dem neuen Abschnitt der Autobahn A3 bei Richterswil, zeigt den Kleinsthubschrauber Little Nelly aus dem Bond-Film „You only live twice“. Direkt davor: ein Porsche 911 der Kantonspolizei Zürich.
1967 auf der Autobahn: Der Kleinsthubschrauber Little Nelly aus dem Bond-Film „You only live twice“ und ein Porsche 911 der Kantonspolizei Zürich.
Das Ende der 911
Warum heute keine Porsche 911 mehr bei der Kantonspolizei Zürich eingesetzt werden? Kosten und Öffentlichkeitswirkung spielen sicher eine Rolle. Der wichtigste Grund liegt in der veränderten Aufgabe.
In den Fünfziger- und Sechzigerjahren diente ein Streifenwagen vor allem dazu, Beamte von A nach B zu bringen und den Verkehr zu beobachten. Heute ist er eine rollende Einsatzzentrale.
An Bord sind Signal- und Messgeräte, Beleuchtung, Ausrüstung für Spurensicherung und Beweisaufnahme, Erste-Hilfe-Material, Schutzausrüstung und Waffen samt Zubehör, Handschellen, Werkzeug, Feuerlöscher. Dazu digitale Systeme und zusätzliche Batterien, damit alles auch im Stand zuverlässig funktioniert.
Und der Wagen muss weiterhin Platz bieten, um bei Bedarf Personen auf der Rückbank zu befördern. So viel Raum hat selbst der alltagstauglichste Sportwagen nicht.
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In der Geschichte des Automobilbaus gibt es Projekte, die ihrer Zeit voraus waren und nie das Licht der Welt erblickten. Die Geschichte des Porsche 356 Zagato ist eine solche Erzählung: Sie handelt von einem visionären Rennfahrer, einer legendären italienischen Karosserieschmiede und einem Entwurf, der fast sechs Jahrzehnte in den Archiven schlummerte, bevor er schließlich Realität wurde.