Porsche Design: Neue Uhrenmanufaktur in Grenchen
Porsche Design hat ein traditionsreiches Manufakturgebäude in der Schweiz gekauft, umgebaut und bezogen. Die Räumlichkeiten im benachbarten Solothurn waren zu klein geworden. Nun bauen die Uhrmacher hier Zeitmesser, die besonders gut zu Porsche-Fahrzeugen passen. Wir haben uns die neue Manufaktur angesehen.
Die 1972 vom 911-Designer Ferdinand Alexander Porsche gegründete Marke Porsche Design brachte im Jahr der Gründung den ersten komplett schwarzen Chronograph 1, der sich an den Instrumenten des 911 orientierte. Nun eröffnet die Porsche-Tochter eine eigene Manufaktur in der Schweiz, in der die Uhren, die größtenteils per Konfigurator exakt auf den eigenen 911 abgestimmt werden können, gebaut werden. Porsche wird damit zum einzigen Autohersteller mit eigener Uhrenmanufaktur. Nach Zuffenhausen und Leipzig ist Grenchen erst der dritte Produktionsstandort für Porsche.
1972 gründete der 911-Designer F. A. Porsche Porsche Design und gestaltete den Chronograph 1.
Traditionsreiches Gebäude
Der 1955 von der Uhrenmarke Eterna in Grenchen errichtete Bau hat eine lange Uhrentradition, die auch mit Porsche und der Familie verbunden ist. Nachdem die Uhren von Porsche Design zuerst von Orfina und später von IWC in Lizenz produziert wurden, baute Eterna ab 1998 in diesem Gebäude die Porsche-Design-Uhren.
Schon 1995 hatte die Familie von F. A. Porsche das Gebäude gekauft. Nachdem Eterna 2011 an einen chinesischen Investor verkauft wurde und Grenchen verließ, veräußerte die Familie von F. A. Porsche auch das Gebäude. Seit 2012 stand es leer. 2014 trennte man sich endgültig von Eterna. Porsche Design entschied, die Herstellung selbst zu übernehmen, und baute Produktionskapazitäten auf. Ab 2017 montierten eigene Mitarbeiter die Uhren in gemieteten Räumlichkeiten im nahen Solothurn.
Seit 2020 suchte Porsche Design dann nach einer neuen Produktionsstätte, denn der Platz in Solothurn reichte aufgrund der gestiegenen Nachfrage nicht mehr aus. Das konnten wir bei unserem Besuch dort 2023 feststellen: Teilweise blieben zwischen den Maschinen nur schmale Gänge. In Grenchen fand Porsche Design dann mit dem leerstehenden Eterna-Bau in der Schützengasse 46 das ideale Gebäude. Mit dem Kauf und der 18-monatigen Sanierung und dem Umbau investiert Porsche massiv in den eigenen Uhrenbereich und schafft Platz für weiteres Wachstum.
Traditionsreiches Gebäude: In dem Bau, den Porsche Design kaufte, sanierte und nun bezog, entstanden schon vor 30 Jahren Porsche -Design-Uhren.
Besucher willkommen
Wir konnten uns die fertige Manufaktur bei der feierlichen Eröffnung im Frühjahr 2026 ansehen und die Uhrmacher bei der Arbeit beobachten. An der Fassade sieht man schon von Weitem den hinterleuchteten Porsche-Design-Schriftzug. Das Eingangsportal mit der Aufschrift „Timepieces Manufaktur“ erinnert von der Schriftart an Porsches „Exclusive Manufaktur“, und das ist kein Zufall, denn hier entstehen neben dem legendären Chronographen 1 vor allem die Custom-Built Timepieces, also jene Chronographen und GMT-Uhren, die über den Porsche-eigenen Konfigurator präzise auf den eigenen 911 oder Cayenne abgestimmt werden können.
Porsche-Design-Manufaktur: Wichtige Uhren aus der Geschichte der Marke.
Das Erdgeschoss widmet sich der Porsche-Design-Markenwelt und sieht eher nach coolem Porsche Brand Store aus als nach Produktionsstätte. Hier sind wichtige Uhren aus der Historie zu sehen und aktuelle Modelle. Neben einer Bar gibt es die Fitting Lounge, in der sich Besucher eine Custom-Built-Uhr konfigurieren können und anhand von Lackfröschen, Automatikrotoren in unterschiedlichem Felgendesign sowie Leder- und Garnsamples einen Eindruck von den Möglichkeiten des Programms machen können.
In der Fitting Lounge können Besucher Uhren konfigurieren.
Sogar ein passender Porsche steht hier: Bei der Eröffnung ein 911 S/T in PTS Albertblau. Man merkt sofort: Besucher sind willkommen. Ich war in den letzten 25 Jahren schon in vielen Uhrenmanufakturen, aber einen so einladenden Empfangsbereich habe ich noch nirgendwo gesehen.
In entspannter Atmosphäre kann man sich aktuelle Modelle und die Inspiration dazu ansehen.
Das war auch der ideale Raum für die feierliche Eröffnung, und sogar der eigens angeflogene Megastar und Porsche-Design-Botschafter Orlando Bloom fühlte sich hier sichtlich wohl.
Uhrmacher bei der Arbeit
Auf dem Weg in die oberen Etagen fällt die Liebe fürs Detail auf: Der Handlauf des Treppengeländers ist mit original Porsche-Fahrzeugleder in Karminrot bezogen. Im ersten und zweiten Stock findet die Produktion Platz.
Liebe zum Detail: Treppenhandlauf mit Porsche-Leder in Kaminrot.
Hier werden traditionelles Uhrmacherhandwerk und moderne Arbeitsplätze mit den Porsche-typischen Produktionsprinzipien verbunden: Denn Porsche Design hat das Fertigungslayout nach dem gleichen Prinzip aufgebaut, das auch in der Fahrzeugproduktion in Zuffenhausen zum Einsatz kommt. Die Arbeitsschritte folgen einer festen Reihenfolge mit kurzen Wegen, Teile werden erst dann angeliefert, wenn sie gebraucht werden. Damit das funktioniert, ohne den Reinraum ständig öffnen zu müssen, verbindet eine Rollbahn den Logistikbereich direkt mit der Werkstatt. Sie nutzt die Schwerkraft als Antrieb und kommt ohne zusätzliche Türen oder Zugänge aus.
Unter Reinraumbedingungen bauen die Uhrmacher die Porsche-Design-Zeitmesser zusammen.
Wie jeder 911 sind die Custom-Built Timepieces im Grunde individuelle Einzelstücke. Das unterscheidet die Porsche Design Manufaktur auch von jeder anderen Uhrenmanufaktur und erhöht den Aufwand enorm. Während üblicherweise 50 oder 100 gleiche Uhren am Stück gebaut werden, muss hier jedes Armband in der gewünschten Leder- und Nahtfarbe vom Zulieferer als Einzelanfertigung rechtzeitig genäht und angeliefert werden. Und jeder Rotor im Felgendesign, der entsprechenden Felgenfarbe und teilweise mit dem Zentralverschluss mit passendem Modellschriftzug bei der richtigen Uhr montiert werden. Dazu kommt der Zifferblattring in über 130 möglichen Farbe-nach-Wahl-Tönen, die für den 911 verfügbar sind. Auch für das Gehäuse und die Lünette gibt es mehrere Optionen in Titan und geschwärzt.
Im Lager stellen die Mitarbeiter alle konfigurierten Teile wie den Felgenrotor und das Band zusammen, aus denen dann eine individuelle Uhr entsteht.
Für die individuellen Gravuren auf dem Gehäuse stehen hier zwei Lasergravurmaschinen. Unter Tageslichtlampen bauen die Uhrmacher dann alles zusammen. Die Uhrmacherwerkstätten sind nach den strengen Vorgaben der Reinraumklasse ISO 7 konzipiert, wobei die einzelnen Uhrmacherarbeitsplätze sogar den Standard ISO 5 erfüllen. Die Luft im Raum wird fünfmal pro Stunde komplett ausgetauscht, die Luftfeuchtigkeit wird konstant zwischen 40 und 50 Prozent gehalten, und ein leichter Überdruck verhindert, dass Partikel von außen eindringen und in der Uhr landen. Wer den Reinraum betreten will, muss durch eine Schleuse und Schutzkleidung anlegen. Aber Besucher können auch durch Glaswände die Uhrmacher bei der Arbeit beobachten. Zurzeit gibt es zehn Arbeitsplätze in der Montage, es gibt aber noch Raum für mehr Mitarbeiter und weiteres Wachstum.
Neben optimalen Arbeitsbedingungen spielte Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle beim Umbau. So versorgt die Photovoltaikanlage auf dem Dach im Idealfall 62 Prozent des Gebäudes mit Strom, und eine Wärmepumpe und Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sorgen für ressourcenschonende Temperierung.
Diese Maschinen gravieren die gewünschten Schriftzüge per Laser in die Böden.
Präzisionsarbeit
Insgesamt stehen im Haus 3.600 Quadratmeter zur Verfügung. Neben der Montage sind hier Entwicklung, Konstruktion, After-Sales-Service, Administration und Qualitätsmanagement untergebracht. Die fertigen Uhren werden dann auf Herz und Nieren getestet: Die Wasserdichtigkeit wird genauso überprüft wie die Ganggenauigkeit. Die Werke sind zuvor schon ausnahmslos von der unabhängigen Schweizer Chronometerstelle COSC auf ihre Genauigkeit geprüft worden, nun müssen sich die Werke im eingeschaltem Zustand, also als komplette Uhr, als präzise erweisen.
Mit sogenannten Zeitwaagen wird überprüft, ob die Uhren chronometergenau laufen.
Der Kreis schließt sich
Mit dem Bezug der neuen Manufaktur schließt sich für Porsche Design ein Kreis: Wie vor rund 30 Jahren entstehen in dem Bau wieder die Uhren der Marke. Aber das Gebäude steht auch für einen Neuanfang und ein neues Selbstbewusstsein. Denn nun gehört das Gebäude Porsche Design, das es auf sich und die Porsche-Art zu produzieren angepasst hat, und eigene Mitarbeiter montieren die Uhren. Das ebenfalls von Porsche übernommene Konzept der individualisierbaren Zeitmesser wäre anders auch gar nicht möglich, denn es ist einzigartig in der Uhrenwelt.
Wie gefällt euch die Manufaktur? Schreibt es gerne in die Kommentare.
Porsche Design präsentiert neue Trolleys aus Aluminium – inspiriert vom Porsche 911. Design, Fertigung und zahlreiche Details orientieren sich am ikonischen Sportwagen. Auch in puncto Funktionalität setzt die Serie neue Maßstäbe.