Porsche 550A Spyder: Rennlegende kommt unter den Hammer
Dieser seltene Porsche 550A Spyder von 1957 soll mit seiner beeindruckenden Renngeschichte und der aufwändigen Restaurierung 3,5 Millionen Euro wert sein. Am 25. April 2026 wird er in Monaco versteigert.
Am 25. April 2026 versteigert RM Sotheby's in Monaco einen der seltensten und am besten dokumentierten Porsche 550A Spyder. Mit einer beeindruckenden Renngeschichte, einem matching-numbers Getriebe und nach einer sechs Jahre dauernden Restaurierung durch den britischen Porsche-Spezialisten Andy Prill wird das Fahrzeug auf 3,5 bis 3,8 Millionen Euro geschätzt.
530 Kilogramm Gewicht und eine schmale Front machen den 550A Spyder schnell.
Porsche 550A Spyder
Der 550A war Porsches Antwort auf die wachsende Konkurrenz im Sportwagensport Mitte der 1950er-Jahre. Während der ursprüngliche 550 Spyder noch auf einem klassischen Leiterrahmen basierte, setzten die Stuttgarter beim 550A auf einen Gitterrohrrahmen. Diese Konstruktion war deutlich steifer und gleichzeitig leichter, was dem Fahrzeug eine spürbar bessere Fahrdynamik verlieh. Das Leergewicht lag bei rund 530 Kilogramm, ein Wert, der selbst nach heutigen Maßstäben für einen Rennsportwagen außergewöhnlich gering ist.
Im Heck arbeitete der berühmte Vierzylinder-Boxermotor vom Typ 547, der von Ernst Fuhrmann entwickelt worden war und intern als „Fuhrmann-Motor“ bekannt wurde. Die Konstruktion war für ihre Zeit eine technische Meisterleistung: 1,5 Liter Hubraum, vier obenliegende Nockenwellen über Königswellen angetrieben, zwei Zündkerzen pro Zylinder und Doppelvergaser. Die Leistung lag bei rund 135 PS, was bei dem geringen Gewicht für ein hervorragendes Leistungsgewicht sorgte. Die Höchstgeschwindigkeit lag je nach Übersetzung und Karosserievariante bei etwa 250 km/h.
Die Karosserie aus Aluminium baute der schwäbische Karosseriebauer Wendler in Reutlingen, der schon den 550 gefertigt hatte. Sie war konsequent auf niedrigen Luftwiderstand und geringes Gewicht ausgelegt. Ab 1959 erhielt der 550A eine überarbeitete, aerodynamisch optimierte Frontpartie, die auch das hier angebotene Fahrzeug heute trägt. Das Fahrwerk war ebenfalls weiterentwickelt: Hinten kam erstmals eine Pendelachse mit tieferer Drehachse zum Einsatz, was die kritischen Fahreigenschaften der Vorgängerkonstruktion deutlich entschärfte.
Mit nur 40 gebauten Exemplaren ist der 550A einer der seltensten Porsche überhaupt. Seine Bedeutung für die Marke geht aber weit über die Stückzahl hinaus: Mit dem 550A sicherte sich Porsche 1956 den Sieg bei der Targa Florio, gefahren von Umberto Maglioli, und bewies damit, dass Sportwagen aus Stuttgart auch gegen die etablierte italienische und britische Konkurrenz bestehen konnten. Der 550A war damit nicht nur ein Rennwagen, sondern der Grundstein für Porsches spätere Dominanz im Motorsport.
Hier schauen wir uns den Nachfolger 718 Spyder im Detail an.
Im Heck des 550A Spyder arbeitet der „Fuhrmann-Motor“: Der Vierzylinder-Boxer mit Königswellen leistet 135 PS.
Ein Auto mit Stammbaum
Die Geschichte des Fahrzeugs mit der Chassisnummer 550A-0116 ist außergewöhnlich gut dokumentiert. Das ist auch dem späteren Rennfahrer Herbert Linge zu verdanken, der einst der erste Mechaniker war, den Porsche nach dem Umzug ins Stuttgarter Werk einstellte. Linge führte handschriftliche Aufzeichnungen über alle gebauten 550A, und seinen Notizen zufolge wurde dieses Exemplar am 18. Februar 1957 fertiggestellt und am 4. März an die Porsche-Vertretung von Jack McAfee in Burbank, Kalifornien, ausgeliefert.
Jack McAfee war zu dieser Zeit einer der bekanntesten Sportwagenrennfahrer der amerikanischen Westküste. Er hatte zuvor für den Teamchef John Edgar verschiedene Ferraris bewegt, bis er die überlegene Balance des leichten und wendigen Porsche 550 Spyder erkannte. McAfee überzeugte Edgar, einen ehemaligen Werkswagen zu kaufen, mit dem Hans Herrmann und Wolfgang von Trips 1956 in Sebring den Klassensieg in der 1,5-Liter-Klasse geholt hatten. Mit diesem Fahrzeug gewann McAfee im selben Jahr den SCCA-Titel in der Modified-F-Division. Sein Freund Stan Sugarman übernahm später eine ganze Reihe von Fahrzeugen aus Edgars Bestand und gab dann den nun zur Versteigerung stehenden 550A direkt bei Porsche in Auftrag.
Porsche 550A Spyder Cockpit: Reduziert aufs Wesentliche.
Eine Saison voller Siege
Drei Monate nach der Auslieferung gab das Fahrzeug am 15. Juni 1957 sein Renndebüt auf dem Paramount Ranch Racetrack. McAfee belegte am Samstag in einem Vorlauf den zweiten Platz und sicherte sich am Sonntag gleich zwei Siege. Es folgten zwei Saisons als regelmäßiger Teilnehmer bei SCCA-Rennen, in denen der damals rot-weiß lackierte 550A mehr als 25 Rennen gewann. Die Highlights lesen sich wie ein Who's Who der amerikanischen Rennstrecken: Siege in Pomona, Palm Springs, Riverside, Altamont, Phoenix, Laguna Seca und Vaca Valley. Weitere Erfolge feierte McAfee auf dem ehemaligen Militärflugplatz Hourglass Field, in Santa Barbara und am Continental Divide.
Porsche 550A Spyder: Aerodynamisches Bugdesign.
Eine Reise um die Welt
Im Februar 1959 verkaufte Sugarman das Fahrzeug an Elden Beagle aus Sacramento. Noch im selben Jahr ging der 550A an den Porsche-Händler und ambitionierten Langstreckenfahrer Don Wester in Monterey. 1961 verließ der Wagen schließlich Kalifornien und ging an Irwin Schuebach aus Spokane im Bundesstaat Washington. Vermutlich wurde der 550A noch mindestens bis in die Saison 1962 hinein bei Rennen eingesetzt, bevor er in die Hände einer Reihe leidenschaftlicher Porsche-Sammler überging.
Zwischen 1965 und 1983 gehörte das Fahrzeug Chuck Woodward in Kent, Washington. Danach kehrte es kurzzeitig nach Kalifornien zurück, wo Bill Perone aus Huntington Beach eine erste Restaurierung in Auftrag gab. Anschließend wechselte der 550A nach Südafrika zu William Zunkel und später David Cohen. Ab 1989 stand der Wagen wieder in den USA, diesmal in der Obhut des berühmten Teamchefs und zweifachen Klassensiegers von Le Mans, Dick Barbour.
1993 erwarb der japanische Sammler Hui Takahara das Fahrzeug und ließ es nach Deutschland bringen, wo Freisinger Motorsport den 550A überholte. Dabei wurde der Wagen in seine Originalkonfiguration zurückversetzt und erhielt das aerodynamische Bugdesign der Spezifikation von 1959. Karl Hloch baute zudem einen frischen Vierzylinder-Boxermotor mit zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderbank und ersetzte das originale Motorgehäuse. Das matching-numbers Motorgehäuse mit der Nummer P 90109 ist erhalten geblieben und wird zusammen mit dem Fahrzeug versteigert.
Porsche 550A Spyder: Komplett restaurierter Motor.
Auszeichnung und Restaurierung
2013 wechselte der 550A erneut den Besitzer und wurde im darauffolgenden Jahr beim renommierten Amelia Island Concours d'Elegance ausgestellt, wo er den Best-in-Class-Award in der Kategorie der Nachkriegsrennwagen vor 1965 gewann. 2018 erwarb der jetzige Verkäufer das Fahrzeug und übergab es im August 2019 an Andy Prill in Großbritannien, einen der weltweit anerkanntesten Spezialisten für klassische Porsche.
Was dann folgte, war eine sechsjährige Restaurierung im wahrsten Sinne des Wortes bis auf die letzte Schraube. Die Karosserie wurde bis aufs blanke Blech gestrippt und neu lackiert. Der Motor wurde um ein originales Werks-Austauschgehäuse aus Italien neu aufgebaut, und das matching-numbers Getriebe wurde ebenfalls überholt. Die Rechnungen für die Arbeiten belaufen sich auf über 307.000 Pfund. Im August 2025 wurde das Projekt abgeschlossen. Andy Prill selbst beschreibt den Zustand des Fahrzeugs nach der Restaurierung als „box-fresh“, also fabrikneu.
Porsche 550A Spyder nach der Restaurierung: Fabrikneuer Zustand.
Lückenlose Dokumentation
Neben dem extrem seltenen matching-numbers Motorgehäuse wird das Fahrzeug mit einem originalen Fahrerhandbuch des Typs 550A versteigert. Dazu kommen zahlreiche Fotos aus der aktiven Rennzeit, Programmhefte der Rennveranstaltungen und Presseberichte aus den späten 1950er-Jahren, die die sportliche Vergangenheit des Wagens lückenlos dokumentieren.
Mit seiner vollständig dokumentierten Besitzergeschichte seit der Auslieferung, mehr als 25 Rennsiegen in seiner aktiven Zeit und einer makellosen Restaurierung durch einen der besten Porsche-Spezialisten der Welt zählt dieses Exemplar wohl zu den schönsten und historisch bedeutendsten 550A Spyder, die erhalten sind.
Am 25. April 2026 wird sich zeigen, ob die Schätzung von 3,5 bis 3,8 Millionen Euro erreicht oder sogar übertroffen wird. Die Kombination aus Seltenheit, Renngeschichte, Originalsubstanz und der frischen Restaurierung spricht jedenfalls für einen hohen Wert.
Wer auf den Wagen bieten möchte, kann das hier bei RM Sotheby’s tun.
Wie gefällt euch das Modell? Schreibt es gerne in die Kommentare.
In der Geschichte des Automobilbaus gibt es Projekte, die ihrer Zeit voraus waren und nie das Licht der Welt erblickten. Die Geschichte des Porsche 356 Zagato ist eine solche Erzählung: Sie handelt von einem visionären Rennfahrer, einer legendären italienischen Karosserieschmiede und einem Entwurf, der fast sechs Jahrzehnte in den Archiven schlummerte, bevor er schließlich Realität wurde.