Techart GT Classic: Erster Restomod des Veredlers

TECHART GT Classic

Techart baut seit 1987 an Porsche, bisher aber immer an aktuellen. Mit dem GT Classic widmet sich das Unternehmen zum ersten Mal den luftgekühlten Klassikern: 380 PS aus 3,8 Litern, ein Fahrwerk mit externen Ausgleichsbehältern und ein Radsatz, der das Fuchs-Design neu interpretiert. Gebaut werden elf Exemplare. Wir waren bei der Weltpremiere in München und haben uns den Restomod genau angesehen.

Elf Exemplare

Die Stückzahl ist das erste Signal. Elf Fahrzeuge sind selbst für ein Manufakturprojekt wenig, und bei einem Elfer liest man die Zahl unweigerlich als Ansage.

Für Techart ist es mehr als ein Sondermodell. Das Unternehmen aus Leonberg ist bislang für Aerodynamik, Leistungssteigerungen und Interieurveredelung an aktuellen Baureihen bekannt. Der GT Classic ist der Eintritt in ein Segment, das in den vergangenen Jahren maßgeblich von Spezialisten außerhalb des klassischen Tuning-Umfelds geprägt wurde.

„Unser Ziel war nicht, den Klassiker neu zu erfinden. Unser Ziel war, ihn weiterzudenken“, sagt Benedict von Canal, CEO von Techart.

TECHART GT Classic Heck

Techart GT Classic: Der Restomod auf 964 Basis trägt einen Entenbürzel und matte champagenfarbene Akzente.

Ein 964, der wie ein F-Modell aussieht

Technische Basis ist ein Porsche 911 der Baureihe 964. Gestalterisch orientiert sich der GT Classic allerdings an der Formensprache des frühen F-Modells, ohne ein historisches Abbild schaffen zu wollen.

Das ist die Konstellation, die man aus diesem Segment kennt, und sie funktioniert, weil der 964 die letzte Baureihe mit der schmalen Urform der Karosserie ist. Die entscheidenden Weichen fallen nach Angaben von TECHART bereits während der Restauration der Karosserie.

Bemerkenswert am vorgestellten Fahrzeug: Als Basis diente ein Carrera 4. Allradantrieb ist in diesem Segment die Ausnahme, weil die meisten Projekte auf Leichtbau und Hinterradantrieb setzen.

TECHART GT Classic Front

Techart GT Classic mit Liebe zum Detail: Lüftungsgitter in der Haube, eigene LED-Leuchtgrafik, geänderte Blinkereinheit.

Champagner als roter Faden

Die Front prägen neu interpretierte, einteilige Blinkerleuchten, in die der Luftschacht direkt integriert ist. Dazu kommen neu entwickelte LED-Scheinwerfer mit Tagfahrlichtsignatur und beidseitige Retrosport-Außenspiegel.

Besonders gut haben uns die handgefertigten Zierelemente in mattem Champagner gefallen. Sie ziehen sich von der Front über Scheinwerfer, Fensterrahmen, Türgriffe und Seitenschweller bis zum Heck. Das ist der gestalterische Kniff des Autos, weil er einen Farbton einführt, der weder Chrom noch Schwarz ist und dem Wagen damit eine eigene Handschrift gibt.

Am Heck sitzt ein Entenbürzel mit zwei integrierten Luftschlitzen. Die einteiligen LED-Rückleuchten verbinden dreidimensionale Tiefenwirkung mit besserer Sichtbarkeit bei Nacht. Der Techart Schriftzug am Heck ist mit 24 Karat vergoldet.

TECHART GT Classic Heck

Schönes Detail am Techart GT Classic: die einteiligen LED-Rückleuchten.

Das Retrosport-Rad

Das eigens entwickelte 18-Zoll-Schmiederad interpretiert das Fuchs-Design neu. Zusätzliche Öffnungen verbessern die Bremskühlung und geben den Blick auf die Turbo-Bremsanlage frei.

Die Dimensionen liegen bei 8,5 x 18 Zoll vorn und 10 x 18 Zoll hinten. Ausgeführt ist das Rad in einem Dualpaint-Finish mit eigens gestalteter Plakette in der Nabe.

Optisch hat uns der in Grau enthüllte Wagen gut gefallen. Er wirkt wie aus einem Guss, die matt-champagerfarbenen Akzente sorgen ebenso wie Details wie durchbohrte Türgriffe (wie beim 911 RSR), Lüftunsgitter in der Fronthaube und die schönen Felgen für Eigenständigkeit.

TECHART GT Classic Rad

Techart GT Classic: Schmiederad im neu interpretierten Fuchsfelgendesign.

380 PS aus 3,8 Litern, luftgekühlt

In der stärksten Ausbaustufe leistet der luftgekühlte 3,8-Liter-Boxermotor 380 PS. Dazu kommt eine eigens entwickelte Abgasanlage mit Mittelendrohren und Carbonblenden, die Motorabdeckung besteht ebenfalls aus Carbon.

Bei der Präsentation in München sorgte das Anlassen und leichtes Gasgeben für grollendes Donnern und anschließenden begeisterten Applaus des Publikums.

Techart stellt bewusst nicht die Leistung in den Mittelpunkt, sondern das Zusammenspiel der Komponenten. Fahrwerk, Bremsanlage und Motorlager sind auf den Antrieb abgestimmt, die Motorlager stammen aus dem Motorsportbereich.

Das High-Performance-Fahrwerk arbeitet mit externen Ausgleichsbehältern und soll damit auch unter hoher Beanspruchung eine konstante Dämpfungsleistung liefern. Gebremst wird mit der Turbo-Bremsanlage.

Zur Fahrleistung nennt Techart keine Zahlen. Bei einem 964 mit fast 400 PS erledigt sich die Frage aber weitgehend von selbst.

Techart GT Classic Heck

Im Heck des GT Classic arbeitet ein luftgekühlter 6-Zylinder-Boxer mit 3,8 Liter und 380 PS.

Cockpit mit Hanhart-Stoppuhren

Techart fertigt seit 1987 in Höfingen eigene Lederausstattungen, und das Interieur ist entsprechend der Teil, in dem das Unternehmen eine Kernkompetenz ausspielt.

Das klassische Fünf-Rundinstrumente-Cockpit bleibt erhalten. Im Zentrum steht der Drehzahlmesser mit einer Skala bis 7.500 Umdrehungen pro Minute, dazu kommt eine individualisierte Instrumentenanzeige.

Techart GT Classic Innen

Auch der Innenraum des Techart GT Classic ist mit Liebe zum Detail gestaltet.

Das schönste Detail ist das Chrono-Paket mit analogen Hanhart-Stoppuhren, mit dem sich Rundenzeiten von Hand nehmen lassen. Das ist keine Nostalgie-Dekoration, sondern ein funktionales Zitat aus dem Rallyesport.

Moderne Technik bleibt bewusst zurückhaltend. Das Porsche Classic Radio vereint Navigation, Smartphone-Integration und Bluetooth in einem System, dazu kommen HiFi-Anlage und Ambientebeleuchtung. Die schöne Lederausstattung trägt Stoffeinsätze in zweifarbigem Pepita, ergänzt um Einstiegsleisten, einen Aluminiumschalthebel und eine Limitierungsplakette. Clubsport-Sitze sind auf Wunsch erhältlich.

Wie üblich in diesem Segment ist auch der Rest individualisierbar. Techart spricht von einem persönlichen Entstehungsprozess, in dem technische und gestalterische Möglichkeiten auf den jeweiligen Kunden abgestimmt werden.

Fazit

Wir freuen uns, dass Techart sich getraut hat und einen Restomod auf die Räder stellt. CEO Benedict von Canal betonte bei der Präsentation, dass das Unternehmen auch auf viele kleinere Spezialisten in Deutschland zurückgreift, ohne die das Projekt nicht möglich gewesen wäre.

Auch der Preis soll deutlich unter Singer liegen. Bei der Präsentation wurden schon die ersten beiden der elf Exemplare verkauft.

Design, Verarbeitung und Sound haben uns schon mal beeindruckt. Techart besitzt zudem das Know-how, um Fahrwerk, Bremsen und Aerodynamik optimal abzustimmen.

Wie gefällt euch das Modell? Schreibt es gerne in die Kommentare.


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