Tudor Northflag: Die Rückkehr aus dem Eis
Zehn Jahre lang war es still um sie, jetzt ist sie zurück. Die Tudor Northflag kommt in zweiter Generation, und sie bringt zwei Neuerungen mit, die in dieser Kombination selten sind: eine GMT-Funktion und die Zertifizierung als Master Chronometer.
Das Design der Northflag bleibt dabei erkennbar. Wer die Uhr von 2015 kennt, wird die Linienführung sofort wiedererkennen. Wer sie nicht kennt, bekommt hier eine der eigenständigsten Stahlsportuhren, die derzeit unter 5.000 Euro zu haben sind.
Grönland, 1952: wo die Geschichte beginnt
Der Name hat einen historischen Ursprung: Das „North“ verweist auf die British North Greenland Expedition, bei der Tudor-Uhren in den 1950er-Jahren zur Ausrüstung der Teilnehmer gehörten. Zwei lange, kalte Jahre trugen die Expeditionsteilnehmer sie auf den Eisschilden Nordgrönlands, unter Bedingungen, die zu den härtesten gehören, die es auf der Erde gibt.
Es war nicht das erste Mal, dass Tudor-Modelle auf diese Weise ihre Zuverlässigkeit unter Beweis stellten. Aber es war das erste Mal, dass alles sorgfältig dokumentiert wurde. Genau darauf baut die Marke ihren Ruf als Hersteller besonders sicherer Funktionsuhren bis heute auf.
Die neue Northflag greift dieses Erbe funktional auf. Der neue zweite Zeitzone mit 24-Stunden-Zeiger ist in Umgebungen, in denen die Polarnacht monatelang für Dunkelheit sorgt oder die Mitternachtssonne durchgehend scheint, eine ernsthafte Orientierungshilfe.
Bei der Nordgrönland-Expedition von 1952-1954 mussten Tudor-Uhren extremen Bedingungen standhalten.
Ein Design mit Vorfahren: der Ranger II von 1973
Die Northflag von 2015 war Tudors erste Armbanduhr mit einem vollständig im Haus entwickelten und gefertigten mechanischen Uhrwerk, dem Hochleistungskaliber MT5621. Das war damals eine Zäsur. Optisch orientierte sie sich am Ranger II von 1973, und diese Verbindung bleibt in der zweiten Generation bestehen.
Das auffälligste Erbstück aus den 1970ern ist das integrierte Armband, das optisch nahtlos in das Gehäuse übergeht. Dazu kommt das markante schwarze Zifferblatt mit großen arabischen Stundenindizes. Neu ist deren Ausführung: Sie bestehen jetzt aus leuchtender Monoblock-Keramik. Ein 45-Grad-Rehaut trägt die 24-Stunden-Graduierung.
Auch die Zeiger zitieren das historische Vorbild. Die pfeilförmigen 24-Stunden- und Stundenzeiger, der eckige Sekundenzeiger und der stabförmige Minutenzeiger sind direkte Reminiszenzen an die Ranger II. Die „Northflag“-Zeiger tragen eine phosphoreszierende Beschichtung aus Super-LumiNova.
Pfeilförmige Zeiger als historische Referenz, Ziffern und Indexe in moderner leuchtender Monoblock-Keramik.
Gehäuse und Armband: eine Einheit
Das Gehäuse misst 40 Millimeter im Durchmesser, ist 12,7 Millimeter hoch und 48,8 Millimeter von Anstoß zu Anstoß. Es besteht aus Edelstahl 316L, satiniert und poliert, mit einer feststehenden Lünette aus demselben Werkstoff.
Damit Gehäuse und Band optisch verschmelzen, hat Tudor die Oberflächen aufeinander abgestimmt. Die Oberseiten der Hornbügel und der Lünette sind poliert und abgeschrägt, passend zur Ausführung des Bandes. Verschiedene Arten von Satinierungen kommen je nach Gehäusebestandteil zum Einsatz. Die leicht konische, verschraubbare Aufzugskrone ist perlgestrahlt und trägt das Tudor-Schild im Relief.
Das zweireihige integrierte Armband besteht ebenfalls aus Edelstahl 316L, ist überwiegend gebürstet und besitzt polierte abgeschrägte Elemente. Verschlossen wird es mit der TUDOR „T-fit“-Schließe mit Schnellverstellsystem. Sie bietet fünf Positionen und erlaubt eine Verstellung über acht Millimeter, ohne Werkzeug. Kugellager aus Keramik sorgen für ein reibungsloses Schließen und eine angenehme Haptik.
Der Gehäuseboden gibt hinter Saphirglas den Blick auf das Uhrwerk frei. Auch das ist ein Zitat: Die Northflag von 2015 war das erste TUDOR Modell mit Manufakturwerk und offenem Gehäuseboden.
Die Tudor Northflag mit dem integrierten Band und der Sicherheitsfaltschließe.
Kaliber MT5652-U
Technisch ist das Kaliber MT5652-U interessant. Tudor integriert die zweite Zeitzone in das Werk. Der 12-Stunden-Zeiger für die Ortszeit lässt sich einfach in Stundenschritten über die Krone vor- und zurückstellen. Dabei springt auch das Datum mit. Der 24-Stunden-Zeiger für die Heimatzeit bleibt dabei unverändert.
Das Kaliber misst 31,8 Millimeter im Durchmesser bei 7,5 Millimetern Höhe und läuft auf 32 Lagersteinen. Die Frequenz beträgt 28.800 Halbschwingungen pro Stunde, also 4 Hertz. Für die Präzision sorgt eine große Unruh mit variabler Trägheit und fixiert durch eine solide Brücke. Die Spiralfeder besteht aus amagnetischem Silizium.
Die Gangreserve beträgt 65 Stunden bei vollem Aufzug. Tudor nennt das „wochenendsicher“, und das ist keine Übertreibung: Wer die Uhr am Freitagabend ablegt, kann sie am Montagmorgen wieder anlegen, ohne sie neu stellen oder aufziehen zu müssen.
Optisch folgt das Werk dem typischen Erscheinungsbild der Tudor-Manufakturkaliber mit Verzierung im Radialdesign. Der Rotor aus einem Wolfram-Monoblock ist durchbrochen. Brücken und Hauptplatine wechseln zwischen sandgestrahlten und polierten Oberflächen und tragen radiale Laser-Verzierungen mit sandgestrahlten Details. Auf den Brücken steht der Schriftzug „Master Chronometer“.
Das robuste und präzise Manufakturkaliber MT5652-U ist durch den Glasboden sichtbar.
Doppelt zertifiziert: COSC und METAS
Die Northflag durchläuft zwei unabhängige Prüfungen. Das Uhrwerk ist von der Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC) als Chronometer zertifiziert. Bemerkenswert ist dabei, dass Tudor die COSC-Vorgaben selbst übertrifft. Während die COSC eine durchschnittliche Abweichung zwischen minus vier und plus sechs Sekunden pro Tag am nicht eingeschalten Uhrwerk zulässt, verlangt Tudor an der vollständig montierten Uhr minus zwei bis plus vier Sekunden.
Die Master-Chronometer-Zertifizierung durch das METAS, das unabhängige Eidgenössische Institut für Metrologie, geht darüber hinaus. Sie schreibt eine Abweichung von höchstens fünf Sekunden pro Tag vor, und zwar ausschließlich im positiven Bereich (0/+5). Das ist fünf Sekunden strenger als die COSC-Vorgabe und eine Sekunde strenger als der Tudor eigene Standard für Modelle mit regulärem Manufakturwerk. Zusammengenommen muss die Northflag also im Engen Bereich zwischen 0 und +4 Sekunden laufen.
Die METAS-Zertifizierung prüft aber nicht nur die Ganggenauigkeit. Sie deckt die wichtigsten Funktionsmerkmale einer Uhr ab. Im Einzelnen:
Fertigung nach den Kriterien von „Swiss Made“
Zertifizierung des Uhrwerks durch die COSC
Präzision bei zwei verschiedenen Temperaturen, in sechs unterschiedlichen Lagen und bei zwei Leistungsstufen der Gangreserve, nämlich 100 Prozent und 33 Prozent
Zertifizierte Wasserdichtheit bis 100 Meter
Zertifizierte Gangreserve von 65 Stunden
Störungsfreie Funktion von Uhrwerk und Uhr in einem Magnetfeld von 15.000 Gauß, ohne Abweichung der Präzision nach der Einwirkung
Die Magnetfeldanforderungen sind enorm, in der Praxis besonders nützlich und erfordern zahlreiche amagnetische Komponenten im Werk. Daher lassen nur die wenigsten Hersteller, bekannt ist vor allem Omega, METAS-zertifizieren.
Die Tudor Northflag ist extrem widerstandsfähig gegen Magnetfelder.
Tudor und die Manufaktur
Der Ursprung von Tudor liegt bei Hans Wilsdorf, dem Gründer von Rolex, der die Marke „The Tudor“ 1926 erstmals eintragen ließ und 1946 die Montres Tudor SA gründete. Sein Ziel war es, Armbanduhren mit der Qualität und Zuverlässigkeit einer Rolex zu einem erschwinglicheren Preis anzubieten. Genau diese Kombination aus Robustheit und Zugänglichkeit machte Tudor immer wieder zur Uhr der Wahl für Forscher und Abenteurer.
Montiert und getestet wird jede Tudor Uhr in der Manufaktur in Le Locle. Die Fertigungsstätte wurde 2021 nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellt, erstreckt sich über vier Etagen und umfasst 5.500 Quadratmeter Gesamtfläche. Sie ist vollständig in Tudor-Rot gehalten.
Räumlich und visuell verbunden ist sie mit der benachbarten Manufaktur Kenissi, die 2016 als Fertigungsstätte für Tudor-Uhrwerke gegründet wurde. Über Kenissi und ein Netzwerk von Tochtergesellschaften hat Tudor die Entwicklung und Produktion hochleistungsfähiger mechanischer Kaliber selbst übernommen und beherrscht damit die Fertigung strategischer Komponenten.
Preis und Verfügbarkeit
Die Tudor Northflag ist ab sofort nur in den Tudor-Boutiquen erhältlich. Der unverbindliche Verkaufspreis in Deutschland liegt bei 4.990 Euro.
Zur Tudor Northflag auf tudorwatch.com
Ein Punkt, der in Datenblättern gern untergeht, aber im Alltag zählt: Tudor gewährt fünf Jahre Garantie auf alle Uhren. Eine Registrierung ist nicht erforderlich, eine vorgeschriebene regelmäßige Wartung ebenfalls nicht. Die Garantie ist übertragbar, wenn die Uhr in diesem Zeitraum den Besitzer wechselt. Unabhängig davon empfiehlt Tudor je nach Modell und Tragehäufigkeit eine Wartung etwa alle zehn Jahre.
Die neue Tudor Northflag ist ausschließlich in den Tudor-Boutiquen erhältlich.
Technische Daten
Referenz: 9140G1A0U
Gehäuse: Edelstahl 316L, satiniert und poliert, 40 mm Durchmesser, 12,7 mm Höhe, 48,8 mm von Anstoß zu Anstoß, transparenter Gehäuseboden aus gewölbtem Saphirglas
Lünette: feststehend, Edelstahl 316L, satiniert und poliert
Aufzugskrone: verschraubbar, konisch, Edelstahl 316L, TUDOR Schild im Relief
Zifferblatt: schwarz, Rehaut mit 24-Stunden-Graduierung, Datumsanzeige auf 3 Uhr
Uhrglas: gewölbtes Saphirglas
Wasserdichtheit: bis 100 Meter
Armband: zweireihig, Edelstahl 316L, poliertes und satiniertes Finish, TUDOR „T-fit"-Schließe mit Schnellverstellsystem
Uhrwerk: Manufakturkaliber MT5652-U mit GMT-Funktion, Selbstaufzug mit in beide Richtungen aufziehendem Rotorsystem, 31,8 mm Durchmesser, 7,5 mm Höhe, 32 Lagersteine
Oszillator: große Unruh mit variabler Trägheit, Feinregulierung durch Schraube, amagnetische Siliziumspiralfeder, 28.800 Halbschwingungen pro Stunde (4 Hz)
Gangreserve: METAS-zertifizierte 65 Stunden
Präzision: 0/+5 Sekunden innerhalb von 24 Stunden, COSC-Chronometer, Master Chronometer nach METAS
Funktionen: zentrale Stunden-, Minuten- und Sekundenzeiger, zentraler 24-Stunden-Zeiger, Datum auf 3 Uhr mit automatischem Wechsel und uneingeschränkter Schnellkorrektur, Sekundenstopp
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